Dr. Peter Glüsing (1934 – † 2011)

Bereits der erste Vortrag Dr. Glüsings auf der Jahresversammlung 1999 des gerade gegründeten FAN ist legendär: Es gelang ihm nämlich in einer den meisten Zuhörern in dieser Lebhaftigkeit und vor allem sachkompetenten Anschaulichkeit bewunderungswürdigen Art, das Interesse an seinem Thema „Römerforschung in Norddeutschland“ genau zwei Stunden und 20 Minuten ununterbrochen wach zu halten, bis der Schreckensruf aus dem Küchentrakt erscholl „Die Würste platzen“, worauf zum Bedauern nicht nur des Berichterstatters notgedrungen die verdiente Mittagspause eingelegt werden mußte. Sogleich wurde aber auch mehrfach der Wunsch nach einer Publikation
des Vorgetragenen geäußert.
In den folgenden 12 Jahren war Dr. Glüsing dann für viele aus dem Freundeskreis immer wieder begehrter Ansprechpartner vor allem in allen Fragen der Provinzialarchäologie. Auch nach seiner Pensionierung als akademischer Oberrat an der Universität Münster war er sich nicht zu schade, weite Autotouren ins Niedersächsische durchzuführen, um aktuelle „Brennpunkte“ der Römerforschung aufzusuchen und seinen kritischen Rat einzubringen. Besonders verdient machte er sich hierbei an der „Mittleren Ems“ um die aufsehenerregenden Fundplätze Hesselte und Umgebung und Geeste . Auch die zahlreichen römischen Neufunde in Elbergen hatten es ihm zuletzt angetan. So erkannte er z.B. einen Fund noch vor der metallurgischen Untersuchung in Hannover als römischen Silberbarren und gab nicht eher Ruhe, als bis er den genauen Fundort eines vor über 10 Jahren gefundenen Phallus-Amuletts erfahren hatte. Als er von den römischen Neufunden im Diepholzer Raum erfuhr, war er bei einer FAN-Exkursion, die im Dümmermuseum Lembruch ihren Abschluß fand, ganz in seinem Element, zumal es an diesem Tag gelang, die Finder und deren Fundstellen und die Funde selbst (darunter eine in situ gefundene augusteische Bronzemünze) kennen zu lernen.
Kalkriese, Hedemünden und neuerdings Harzhorn waren für ihn überragend wichtige archäologische Problemfelder in Niedersachsen, zu denen er sich -vor allem in kleinem Kreis- engagiert und immer voll ungewöhnlicher Ideen äußerte.
In seinem letzten Vortrag 2009 auf dem 5. FAN-Tag im Industrie Museum Lohne, der übrigens auf DVD aufgenommen wurde, stellte er im Beisein des Landesarchäologen sein Lebenswerk, seine noch unveröffentlichte archäologische Trassenkarte in den Grundzügen vor. Die Westfälische Altertumskommission, der Dr. Glüsing jahrzehntelang angehörte, wird vielleicht in der Lage sein, dieses auch für Niedersachsen überragend wichtige Kartenwerk aus dem Nachlaß zu veröffentlichen.
Der FAN, besonders selbstverständlich die AG „Römer in Niedersachsen“, die dem Verstorbenen besonders viel zu verdanken hat, wird Dr. Glüsing ein bleibendes Angedenken bewahren.

Wilhelm Dräger (12.03.2011)




Dr. Peter Glüsing († 2011) Foto: Dr.Henning Haßmann (2008)