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Fund in einer Kiesgrube bei Liebenau/Weser |
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Schon einmal gehört - Schiffmühlen - auf einem Fluß ?
Ich hatte davon schon einmal gehört, kannte auch die Technik, war aber trotzdem überrascht zu erfahren, Teile einer Schiffmühle entdeckt zu haben.
Die Geschichte:
Regelmäßig kontrolliere ich im Raum Nienburg entlang der Weser Kiesgruben auf archäologische Artefakte. In einer dieser Kiesgruben waren Ende des Jahres 2003, Anfang 2004 über mehrere Monate Muldenkipper und ein großer Raupenschlepper am Rande des Abbaugeländes abgestellt. Im Frühjahr wurden diese abgefahren und damit zeigte sich anschließendes Strauch- und Buschwerk zugänglich. Darin lagen, teilweise bereits von Kraut überwuchert, mehrere große, auffällig zugeschnittene Eichenhölzer, Länge annähernd bis 1.50m, Breite bis 0,50m, Dicke 8-10cm.
Von Kraut und Lehm teilweise befreit zeigten sich deutlich nicht maschinelle Bearbeitungsspuren, Säge- und Haumarken, und zum Teil noch mit eichenen, viereckig zugeschnittenen Dübeln besetzte, durchgehende Bohrungen. Der Zustand der Dübel ließ darauf schließen, dass sie noch nicht ihrem eigentlichen Zweck gedient hatten, nämlich nach dem Einschlagen in die Bohrungen die verschiedenen Konstruktionsteile im Verbund zu halten. Besonders auffällig war die Form der großen Hölzer, und dies zeigte sich eindrucksvoll, als sie nach weiterer Säuberung aufgereiht nebeneinander lagen.
Ein Telefongespräch mit dem Betriebsleiter der Kiesgrube bei Liebenau ergab, dass die Eichenhölzer bereits im Herbst 2003 beim Abtragen der Aue- und Flutlehmschicht, hier ca. 2,50m bis 4m stark, entdeckt worden waren. Man legte die Hölzer zur Seite, da sie in etwa 2 m Tiefe im Lehm eingespült lagen und somit alt sein mussten. Der Betriebsleiter versprach, weiterhin für eine sorgfältige Lagerung zu sorgen und sie nicht zu ,,entsorgen“. Der zuständige Bezirksarchäologe Herr Dr. Cossack wurde verständigt, besichtigte die Eichenhölzer vor Ort und veranlasste, dass seine Mitarbeiter die Eichenhölzer vermaßen, zeichneten und fotografierten. Kurze Zeit danach rief Herr Dr. Cossack an und berichtete, er halte die Eichenhölzer für Teile einer mittelalterlichen Schiffmühle. Er verwies auf einen entsprechenden Fund aus der Leine bei Mandelsloh im Jahr 1982.
Hier wurde ein 9,25m langer, zu einem Einbaum ausgehöhlter Eichenstamm geborgen, Durchmesser ca. 1,2Dm, 6t schwer, und fast vollständig erhalten. Die beiden offenen Enden des Einbaumes waren mit je einem Schott abgedichtet, von außen auf die Enden des Stammes mittels Dübeln befestigt. Im Liebenauer Fund befinden sich zwei Eichenholzscheiben, die in der Form einem Mandelsloher Schott entsprechen.
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Schiffsmühlenhölzer
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Eine C14 Datierung des Mandelsloher Fundes hatte ein Alter von 1180 bis 1290 n.Chr. ergeben.
Die Eichenhölzer aus der Liebenauer Kiesgrube wurden dem Nienburger Stadtmuseum zur Aufbewahrung übergeben. Eine erste dendrochronologische Untersuchung einer Holzprobe ergab, sehr unsicher, ein Alter um etwa 1310 n.Chr. Der Inhaber des ausführenden Labors, Herr Preßler, hielt aufgrund der relativ geringen Zahl der Jahresringe der ihm zugeschickten Holzprobe die Untersuchung einer Reihe weiterer Proben für unbedingt erforderlich, um zu verlässlichen Aussagen zu kommen. Dies wurde zum Anlass genommen, ein Demonstration der von Herrn Preßler angewandten Technik durchzuführen, mittels eines Hohlbohrers aus zu untersuchenden Hölzern Proben zu entnehmen, ohne diese wesentlich in ihrer Form, Struktur und Stabilität zu beeinträchtigen. Dies geschah an mehreren der Liebenauer Eichenhölzer im Stadtmuseum Nienburg. Es ergaben sich saubere, stabförmige Proben von einer Länge bis zu 15 cm, Durchmesser 11 mm. Wichtig bei der Probennahme ist, den Bohrer so anzusetzen, dass die Jahresringe annähernd senkrecht zur Bohrrichtung liegen, außerdem möglichst vom Splintholz bzw. den äußeren Jahresringen zum Kernholz gebohrt wird.
Mit Spannung wurden die Ergebnisse der dendrochronologischen Altersbestimmung der Liebenauer Eichenhölzer erwartet. In diesem Fall lagen sie bereits nach einer Woche vor. Eingebettet in einen längeren Bericht zeigte eine Tabelle: Von den 7 gezogenen Proben konnten 6 Proben zeitlich eingeordnet werden. Hier seien nur die Ergebnisse der 3 Proben wiedergegeben, bei denen die Splintgrenze ermittelt wurde:
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Querschnitt durch eine Schiffsmühle
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4 |
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1666 |
1666 |
1686 +/- 16 Jahre |
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5 |
1 |
1665 |
1666 |
1685 +/- 16 Jahre |
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7 |
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1660 |
1660 |
1660 +/- 16 Jahre |
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Zur Festlegung des Datums der Fällung wurden dem Jahr des letzten erhaltenen Jahresrings 20 Jahre hinzugerechnet mit der angegebenen Toleranz von 16 Jahren. Somit kann die Zeit der wahrscheinlichen Bearbeitung dieser Eichenhölzer auf den Zeitraum um etwa 1690 eingegrenzt werden. Zum Vergleich für die Datierung wurden Eichenhölzer aus der Grafschaft Hoya, sowie den Kreisen Schaumburg-Lippe und Verden herangezogen.
Damit konnte leider die ursprüngliche zeitliche Zuordnung zu einer mittelalterlichen Schiffmühle dieser Eichenhölzer aus der Liebenauer Kiesgrube nicht bestätigt werden. Gesichert ist, entweder durch Berichte, Bilder oder Urkunden, dass auch im 17.Jahr-hundert vielerorts Schiffmühlen auf Flüssen betrieben wurden.
Allgemeines zum Thema Schiffmühlen : Die Römer sollen bereits erste Schiffmühlen auf dem Tiber bei Rom betrieben haben, als Teile einer Schiffmühle...die Stadt Rom 537 n.Chr. von den Ostgoten belagert wurde. Da mitteleuropäische Flüsse für den Mühlenbetrieb eine sicherere Energiequelle waren als Wind und aufgestaute Bäche, setzte sich die Technik bereits im frühen Mittelalter in großem Umfang in Mitteleuropa durch. Als Beispiel sei hier das Mühlenprivileg von 1250 der Stadt Bremen genannt, daß der rechtlichen Absicherung des Betriebs der Schiffmühlen auf der Weser diente. Der Zeitschrift ,,Der Mühlstein“, (Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung e.V., Minden/Westf.) entnahm ich folgende älteste Standorte von Schiffmühlen
Zeichnung einer gebräuchlichen Schiffsmühle (Acrobat Reader) [367 KB]
840 auf dem Rhein bei Straßburg
990 auf der Saale bei Walle
1112 auf dem Rhein bei Mainz
In späteren Jahrhunderten waren mehrere hundert Schiffmühlen auf den verschiedenen Flüssen Mitteleuropas in Betrieb. Das Ende kam mit der zunehmenden Nutzung der Flüsse als Transportweg, und als die Schiffmühlen nur noch als Hindernis auf dem Wasserweg gesehen wurden. Hinzu kam, dass in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, beginnend mit der Entwicklung der Dampfmaschine, effektivere technische Lösungen für die Energiegewinnung zur Verfügung gestellt wurden. So überlebten nur noch wenige Schiffmühlen bis in den Beginn des 20. Jahrhunderts, und von diesen können heute nur noch einige schwimmend, andere auf trockenem Ufer besichtigt werden, Relikte der Technikgeschichte.
Der Aufbau der Schiffmühlen unterschied sich im Laufe der Zeit im wesentlichen nur durch die Anordnung und Form der vom Flusswasser angetriebenen Mühlräder, mal walzenförmig, mal radförmig. Die Drehbewegung der Mühlräder wurde mittels einer waagerechten Welle auf das Mahlwerk übertragen, welches sich im Mühlhaus auf einem schiffförmigen oder pontonartigen Schwimmkörper befand. Das freie Ende der Welle des Mühlrades lag auf einem Wellschiff auf, ein Schwimmkörper, wie er in Form des Einbaums in Mandelsloh geborgen wurde. Auf größeren Flüssen, wie z. B. der Weser bei Bremen konnten auch mehrere Schiffmühlen in Reihe nebeneinander liegen. Kritisch für Schiffmühlen war Hochwasser und Eistreiben im Winter. Sie mussten daher so vertäut festgelegt werden, daß sie bei Hochwasser verlegt oder an das Ufer gezogen werden konnten. Für manche Schiffmühlen wurden Anlegeplätze einschließlich einer Wasserführung ausgebaut.
Eigentlich bewegt sich mein geschichtliches Interesse in anderen Zeiträumen. Es war der Zufall, der mich wieder auf diesen Abschnitt der Technikgeschichte gestoßen hat.
Dieter Rennemann
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Zeichnung einer Schiffsmühle - Download der Abbildung in Originalgröße im Text li.
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