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Vorbericht über einen außergewöhnlichen Bodenfund bei Bevensen
Im Jahre 2003 wurde beim Bau einer Erdgasleitung in der Nähe von Bad Bevensen ein Friedhof der sogenannten Langobarden aus dem 1. Jh. nach Christus entdeckt. Sämtliche Urnengräber waren durch den Ackerbau zerstört; es fanden sich aber noch Reste von Gefäßen und metallischen Beigaben, insbesondere Fibeln. Im Oktober 2005 suchte ich – nach Absprache mit dem NLD/Herrn Dr. Gebers den Acker mit einem Metallsuchgerät ab.
Die Dämmerung war schon hereingebrochen, als das Gerät einen leisen Ton von sich gab, der auf Buntmetall hinwies. Im Pflugbereich fand sich nichts, der Ton wurde jedoch deutlicher. Ich habe noch circa 5 cm tief mit einer Kelle den gelben Unterboden abgenommen (Schande!); aber ohne Ergebnis. Nur das Metallsuchgerät gab weiterhin ein kräftigen Ton von sich. Deshalb habe ich schweren Herzens die Grube wieder zugeschüttet, um nach der nächsten Ernte mit weiteren FAN-Mitgliedern das tiefer liegende Objekt zu bergen.
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Fundstelle gefunden Deutlich sind in dieser Tiefe die Schäden durch die Bearbeitung mit einem moderen Pflug noch zu sehen. (Foto: H.-D. Freese)
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Das vorsichtige Freilegen der Fundstelle beginnt (links: Heinz-Dieter Freese) |
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In den 10 folgenden Monaten habe ich beschlossen, dass es sich wohl um einen römischen Import-Bronze-Eimer aus der Werkstatt des Publius Cipius Polybius in Capua handeln müsse, welcher hier seit mehr als 1900 Jahren auf seine Freilegung wartet. Und so fand unter dem Motto „Top(p) oder Flop?“ am 19. August 2006 die lang ersehnte Grabung statt. Den sieben angereisten FAN-Mitgliedern zeigte ich zunächst das Foto eines römischen Eimers aus der Werkstatt des Publius Cipius Polybius in Capua und erntete damit verblüffte und amüsierte Gesichter. Dafür wurde mein Gesicht auch lang und länger, als wir nicht gleich den Fundort im Acker wieder entdeckten, denn (2. Schande!) ich hatte die Stelle nicht mit dem Maßband ausgemessen. Aber nach relativ kurzer Zeit haben wir mein „Raubgräberloch“ doch gefunden, große Freude!
Und gut zwei Stunden später stieß die Kelle auf die Wandung des römischen Eimers, riesige Freude! Das dünne Bronzeblech war so mürbe, das es bei der kleinsten Berührung splitterte. Deswegen haben wir den kompletten Erdblock mit der Bronze-Eimer-Urne en bloc geborgen; das dritte Foto zeigt den Erdblock, mit Gipsbinden umwickelt. Die hatte ich natürlich dabei, weil ich ja den römischen Eimer damit umwickeln wollte!
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Bronzeeimer in situ Noch liegt das Geheimnis in der Erde. (Foto: R. Wollitz)
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Schließlich wurde der ganze 50-kg-Erdblock ins Auto gehoben und nach Hannover gebracht. Wir hoffen nun auf weitere schöne, komplette Beigaben im Inneren des Eimers. Und auf den Namen des Herstellers, nämlich Publius Cipius Polybius in Capua! Ich würde mich jetzt sehr freuen, wenn sich FAN-Mitglieder noch an der schnellen Freilegung und Dokumentation dieses tollen Befundes mit einer Spende beteiligen würden. Und ich bedanke mich herzlich bei allen, die an diesem wunderschönen Spätsommertag in Bad Bevensen mit gegraben haben! Ein ausführlicher Bericht folgt, wenn die Restaurierungsarbeiten abgeschlossen sind.
Heinz-Dieter Freese im August 2006
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Fertig zur Blockbergung Der zerbrechliche Fund kann so im Ganzen der Fundstelle entnommen werden. (Foto: H.-D. Freese)
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Abtransport des Fundblockes Vorsichtig und gut gesichert geht es mit dem geborgenen Objekt im Auto zum Landesamt für Denkmalpflege. Erst unter diesen Bedingungen kann im NLD der Bronzeeimer und sein vielleicht aufschlußreicher Inhalt durch einen Fachmann in Kleinarbeit und unter Laborbedingungen freigelegt werden. Die hierbei genaue Foto- und Zeichnungsdokumentation zur späteren Auswertung ist besonders wichtig. (Rechts: Dr. Wilhelm Gebers) Foto: H.-D. Freese |
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Zum Thema Blockbergung |
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Blockbergungen werden angewendet, wenn eine fachgerechte Freilegung komplizierter oder empfindlicher Fundzusammenhänge im Feld nicht bewerkstelligt werden kann. Blockbergungen werden auch bei Ausgrabungen angewendet, die unter großem Zeitdruck stehen, um eine detaillierte Dokumentation später im Labor nachzuholen. Die Befunde werden zusammen mit dem umgebenden Erdreich freigelegt, dokumentiert und für den Weitertransport gesichert. Kleinere Blöcke werden dazu in Gipsbinden eingepackt, größere Blöcke in stabile Kastenkonstruktionen verpackt. In einer Restaurierungswerkstatt wird der Fund dann schrittweise freipräpariert und dokumentiert.
(Quelle: Grabungswörterbuch http://www.grabungswoerterbuch.de/)
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