Hausgrundriß der Trichterbecherkultur

Bei den Grabungen des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege in Rullstorf, Ldkr. Lüneburg, sind im Bereich eines spätsächsischen Gräberfeldes, am Ostrand der Grabungsfläche, zahlreiche keramische und lithische Funde der Trichterbecherkultur freigelegt worden.
Der starke Anteil von Hüttenlehm deutete auf eine durch Feuer zerstörte Siedlung hin. Letztere konnte trotz großer Bemühungen zunächst nicht in der wünschenswerten Deutlichkeit festgestellt werden, weil der gewachsene Untergrund eine starke Verbraunung aufwies, so daß zunächst nur die Pfosten sichtbar waren, in deren oberen Füllung Hüttenlehm eingelagert war. Erst fünf Zentimeter unterhalb des verbraunten kiesigen Sandes wurden die restlichen schwach graubräunlich verfärbten Pfosten eines zweischiffigen Hauses sichtbar.
Das Nord-Süd orientierte Haus ist im Norden noch nicht vollständig untersucht. Im freigelegten Bereich ist es über 20 m lang. Der leicht trapezförmige Grundriß hat am Südende eine Breite von 3,50 m, die gegen Norden auf 5 m Breite zunimmt. Der Grundriß ist zweischiffig und im ergrabenen Bereich durch drei Querwände gegliedert. In zentraler Lage befand sich im vierten (nördlichen) Segment eine Feuerstelle.
Der Grundriß ist nach Form und Größe für Niedersachsen bislang singulär und scheint eine Forschungslücke zu schließen. Ganz offensichtlich sind die durch Flugsandschichten geschützten neolithischen Fundhorizonte in Rullstorf bestens geeignet, über die angeschnittenen Bereiche hinaus weitere Befunde zu liefern, denn der durch Kernbohrung ermittelte neolithische Siedlungsbereich erstreckt sich nach Osten auf einer Fläche von mehr als einem Hektar.

Dr. Wilhelm Gebers




Trichterbecherhaus Rullstorf, Ldkr. Lüneburg. Pfostenverfärbungen des Trichterbecherhauses von Norden. (Der Hausbereich hat Originalton, der Umgebungsbereich ist fototechnisch grau abgesetzt). Fotorechte: Nieders. Landesamt für Denkmalpflege, Dr. Gebers/Dr. Sommerfeld