Am 13.März 2010 fand im Vortragssaal des Landesamtes für Denkmalpflege die diesjährige Hauptversammlung statt. In einem fast vollbesetzten Saal konnte dann ab 10:00 Uhr eine spannende Vortragsreihe als Einstieg zur Jahreshauptversammlung stattfinden.



Mit seinen beeindruckenden Bildern und einer kurzen Einführung zu den Ausgrabungen des römischen Schlachtfeldes aus dem 3.Jahrhundert n.Chr. am Harzhorn bei Kalefeld, Landkreis Northeim, eröffnete der Landesarchäologe Dr. Henning Haßmann die Vortragsreihe am Vormittag. Das seit dem Spätsommer 2008 intensiv untersuchte Schlachtfeld hat eine Vielzahl an hochinteressanten Funden und vor allem auch durch die genaue Einmessung Erkenntnisse über den damaligen Verlauf an das Licht gebracht. Dr. Haßmann hob vor allem den teilweise erstaunlich guten Erhaltungszustand der Einzelfunde und dessen Aussagekraft in situ hervor. Durch die sorgfältige Fundbergung mit genauer Erfassung der Lage und Ausrichtung vor allem von einzelnen Geschoßbolzen sind die Archäologen sogar in der Lage, die Angriffsrichtung festzulegen. Erstaunlich dabei, dass die Römer allen Anschein nach von Norden kamen und nicht, wie man es vermuten würde, aus dem Süden.

Für weitere Informationen zum Thema "Römisches Schlachtfeld am Harzhorn" empfehlen wir folgenden Link -> Forschungsprojekt Harzhorn



Dr. Henning Haßmann Landesarchäologe (Foto B.Günther)

Gleich im Anschluß an die Einführung von Dr. Haßmann ging es mit dem Vortrag von Prof. Dr. Horst Callies (Althistoriker und Vorsitzender der Althistorischen Kommission für Niedersachsen und Bremen) mit seinen historischen Überlegungen zum römisch-germanischen Schlachtfeld am Harzhorn weiter. In dem Vortrag versuchte Prof. Dr. Callies anhand diverser zur Verfügung stehender historischer Schriftquellen den Zusammenhang zwischen den derzeitigen zeitlichen Datierungen der Archäologen und dem damals bekannten Vorgehen der Römer zu diesem Zeitpunkt in Einklang zu bringen. Interessant und mit diversen persönlichen Anmerkungen zeigte Prof. Dr. Callies auf, dass die richtige Interpretation von schriftlichen Quellen viel Erfahrung voraussetzt und auch seine Tücken haben kann. Dabei bemerkte er zum Schluß an, dass die Schlacht am Harzhorn nach seiner Einschätzung durchaus nicht als isolierter Vorgang in der Geschichte der damaligen Zeitepoche für die germanischen Gebiete zu sehen seien. Das ließ bei den Zuhörern die Hoffnung aufkeimen, dass wir uns in Zukunft vielleicht noch auf weitere spannende Funde in diesem Gebiet freuen können.



Prof. Dr. Horst Callies Althistoriker (Foto B.Günther)

Einen riesigen Sprung in unserer niedersächsischen Zeitgeschichte in die Vergangenheit bescherte uns Dr. Hartmut Thieme mit dem Vortrag über die Fundplätze des Homo Erectus im Tagebau Schöningen. Spannend und packend erzählte Dr. Thieme von den Umständen und Bedingungen, die diesen sensationellen Fund begleiteten. Seit 1983 fand im Schöninger Tagebau eine Rettungsgrabung statt. Im Kampf gegen Bürokratie und vor allem gegen ein Ungetüm von Abbaubagger versuchte er mit seinem Team nicht nur zu überzeugen, dass es sich bei den Fundstellen im Tagebau von Schöningen um einmalige Funde der Menschheitsgeschichte (wir reden hier immerhin von einer Zeit 300.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung) handelte, sondern auch dass man mit dem nötigen Einsatz den Kampf gegen vorrückende Bagger gewinnen kann und so einmalige Funde vor dem endgültigen Verlust bewahren kann. Die dargestellten Fundzusammenhänge und seine eigenen Überlegungen über den Ablauf einer damaligen Großwildjagd faszinierten alle Zuhörer. Vor allem die Bilder und die Dimension der Grabungsfläche (immerhin 400.000 qm) ließ erahnen, welche Arbeit das Team um Dr. Thieme geleistet haben muss.

Weiterführende Informationen zu dem Theme sind mit folgendem Link zu erreichen -> Archäologische Schwerpunktuntersuchung im Helmstedter Braunkohlerevier



Dr. Hartmut Thieme Archäologe mit dem Spezialgebiet Paläolthikum / Mesolithikum (Foto B.Günther)

Nach einer Mittagspause fand dann für unsere Mitglieder die Jahreshauptversammlung statt. Bei der diesjährigen Versammlung standen auch wieder vollständige Vorstandswahlen an. Die Mitglieder wählten einstimmig den alten Vorstand um Dr. Wilhelm Gebers wieder und sprachen ihm ihr Vertrauen aus. Dieser wird nun weiter die Geschicke des FAN bis zur Jahreshauptversammlung 2013 lenken. Neben einigen Berichten aus den Arbeitsgruppen aus dem Jahre 2009 wurde auch ein Ausblick auf die Zukunft unseres Vereines gewagt. Frau Gebers, unsere bewährte Kassenwartin, berichtete noch, dass wir durch Zuwachs von Neumitgliedern im Jahre 2009 inzwischen auf 153 Mitglieder angestiegen sind. Ein sicherlich erfreuliches Ergebnis, welches mit Beifall der anwesenden Mitglieder belegt wurde. Unser Mitglied Jens Schaper stellte den derzeitigen Stand der Arbeitsgruppe, welche sich mit Flugzeugabstürzen des letzten Weltkrieges beschäftigt, vor. Mit dieser Arbeitsgruppe wird auch die jüngste Geschichte in unserem Land beleuchtet und trägt somit zum Erhalt der Erkenntnisse für spätere Generationen bei.

Die nächste Jahreshauptversammlung findet am Samstag, den 12.März 2011 im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege statt.

Bernd Günther (2010)