Mit Rolf Bökemeier hat der FAN eines seiner engagiertesten Mitglieder verloren. Insbesondere verdankt die AG „Römer in Niedersachsen“ ihrem herausragenden Mitstreiter nicht nur breiten einschlägigen Diskussionsstoff, sondern eine Fülle konkreter zielgerichteter Anregungen, die er forschungsorientiert einerseits aus unermüdlicher Beschäftigung mit den antiken Quellen und archäologischer Fachliteratur gewann, zum anderen durch mit Elan durchgeführte Erkundungen und Begehungen auf fund- und befundhöffigen Plätzen seiner angestammten Heimat Ostwestfalen-Lippe. Angeregt durch die verdienstvollen westfälischen Wege- und Römerlagerforschungen Ludwig Hölzermanns interessierte er sich geradezu leidenschaftlich mit Hilfe der Luftbildarchäologie unter Einschluss russischer D-Sat-Aufnahmen und spezieller Infrarot-Aufnahmen für auffällige Geländestrukturen im östlichen Westfalen, und zwar wohl wissend, wie schwierig eine Beurteilung dieser Merkwürdigkeiten am Boden sein würde und wie sehr es darauf ankam, datierende Funde zu bergen. In seinem nunmehr wie ein Vermächtnis dastehenden letzten Werk „Römer an Lippe und Weser - Neue Entdeckungen um die Varusschlacht im Teutoburger Wald“, Höxter 2004 (272 S., 8 Farbtafeln, 230 Abbildungen!) hinterlässt er nicht nur Thesen, Vorschläge, Interpretationen und Mahnungen, sein Buch wirkt auf den unvoreingenommenen Leser, wenn er sich denn etwas mit der schwierigen Materie, die viele Fallstricke bereit hält, auskennt, wie das Angebot einer Materialsammlung, aus der an der Region Interessierte auch nach Jahren noch Anstöße zu vertiefter Forschung erhalten können. Um nur wenige Beispiele herauszugreifen: Da er auf Luftfotos in der Nähe von Sommersell, Kr. Höxter, sogar gleich zwei römische Militäranlagen ausgemacht zu haben glaubte und mit Herz sich für eine Untersuchung einsetzte, war er über den archäologisch unkontrollierten Tonabbau mehr als enttäuscht. Ähnliche Strukturen vermeldete er im nahen Holzhausen und zuletzt in Hohehaus.

Eine große Freude war für Rolf Bökemeier, dass sich der FAN 2003 auf einer wesentlich von ihm vorbereiteten und geleiteten dreitägigen Exkursion von Oerlinghausen aus ausführlichfür seine bevorzugten Fundstellen auf dem berühmten Winnfeld in Sichtweite des Hermannsdenkmals interessierte und für z.B. die Pässe Horn und Stapelage und die Wistinghäuser Schlucht, um nur einen Teil zu zitieren. Im Rückblick bleibt der Eindruck, dass Rolf Bökemeiers Interesse gerade im Bereich in und um Stapelage, wo er nördlich der alten Kirche „Auf den Windhaufen“ eine Probegrabung initiierte, die man u.U. wiederaufnehmen könnte, und nicht zuletzt auf dem Fundacker des überregional bekannten Hofes Krawinkel ernsthaft weiterverfolgt werden sollte. Gern hätte er noch selbst die Forschungen des verstorbenen langjährigen Stapelager Forschers Leopold Möller fortgesetzt, der ihm bei seinem letzten Besuch zum Abschied zuraunte: „Machen Sie weiter...“. Seit 2004 war Lügde Rolf Bökemeiers bevorzugtes Forschungsobjekt, wo er an der Emmer eine Vielzahl aussagekräftiger Strukturen auf von ihm initiierten Luftfotos wahrnahm und auf der Homepage seiner „Römerfreunde-Weser“ als mögliche römische Lager diskutierte. Sein letzter Beitrag auf der Homepage des FAN zeigte erneut, wie sehr ihm die Bedeutung der römischen Fundnumismatik bewusst war. Rolf Bökemeier wird seinen Freunden als liebenswerter rastlos Suchender in Erinnerung bleiben, der es verdient hat, dass seine ganz speziellen archäologischen Anliegen auch über das bevorstehende Gedenkjahr 2009 hinaus nicht in Vergessenheit geraten.

Wilhelm Dräger (01.06.2007)



Rolf Bökemeier 15.04.1932 - 08.05.2007