Vortrag auf dem 91. Niedersachsentag am 7. Mai 2010 in Verden

Hobbyfliegen als Einflugschneise in die Archäologie
von Heinz-Dieter Freese

In meinem Beitrag geht es um die Archäologie aus der Luft. Und ich möchte mit der Feststellung beginnen, dass diese Methode nicht nur Sache von Experten ist. Das kann im Prinzip jeder, der mit einem Flugzeug unterwegs ist und einen Fotoapparat dabei hat. Alles ist mit bloßem Auge sichtbar! Ein eindrucksvolles Beispiel dafür lieferte der Rettungsassistent Bernd Augustyniak am 8. Juli 1989 vor Wolfenbüttel, indem er eine bislang unbekannte Redoutte, eine Schanze aus dem 17. Jahrhundert, im Vorbeiflug mit dem Rettungshubschrauben entdeckte und fotografierte. Auf Umwegen gelangte das Foto sogar ins Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege und wurde dort archiviert. Und damit ist auch schon das Ziel jeder Luftbildarchäologie benannt: Bislang unbekannte Bodendenkmäler sollen aus der Luft erkannt und archiviert werden, damit sie bei zukünftigen Baumaßnahmen berücksichtigt werden können. Sehr hilfreich ist in diesem Zusammenhang, wenn mithilfe eines Panoramafotos oder mit GPS die genaue Lage festgehalten wird. Einen solchen Zufallsfund kann jeder aufmerksame Fluggast auch ohne archäologische Vorbildung machen.
Das eigentliche Thema meines Vortrages lautet jedoch: ´Hobbyfliegen als Einflugschneise in die Archäologie“ Und das meint: Durch einen Zufallsfund kann eine Pilotin oder ein Pilot auch zum ehrenamtlichen Engagement in der Archäologie kommen. Nehmen wir noch einmal das Beispiel des Rettungsassistenten Bernd Augustyniak. Es hätte ja durchaus sein können, dass er sich nachträglich fragte: Was habe ich da eigentlich entdeckt und wie kommt so etwas zustande? Und mit diesem neu erweckten Interesse hätte er nun angefangen, Bücher über Luftbildarchäologie zu lesen. Heutzutage könnte er auch ins Internet schauen, wo unsere Homepage www.fan-nds.de / AG Luftbild sehr häufig aufgerufen wird. Auf jeden Fall hätte er so erfahren, wie archäologische Denkmäler aus der Luft sichtbar werden. Dass beispielsweise das Getreide über alten Gräben länger grün bleibt als das restliche Feld. Und dass es über alten Mauerzügen schneller austrocknet und eine gelbe Farbe annimmt. Außerdem hätte er gelernt, dass es unterschiedliche Gruppen von vor und frühgeschichtlichen Bodendenkmälern gibt: Gräberfelder, Siedlungen, Burgen, Landwehren und vieles mehr. Und natürlich zeichnen sich auf den Äckern auch viele andere Spuren ab: Maislabyrinthe und Kunstobjekte, Gasleitungen und Bombenkrater, Longierzirkel und Drainagen. So manches UFO -Unbekanntes Fund Objekt- ist bereits im Archiv des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege gelandet.
Falls das Interesse an der Archäologie bei Herrn Augustyniak durch die Lektüre nun noch mehr geweckt worden ist, könnte er als Fluggast selbst einmal bewusst auf die Suche nach archäologischen Bodendenkmälern gehen; am besten in den Monaten Juni und Juli nach mehrwöchiger Trockenheit. In jedem Luftsportverein in Niedersachsen werden Rundflüge angeboten. Und zum fotografieren eignen sich besonders Maschinen, deren Seitenfenster geöffnet werden kann.
Schließlich hätte Bernd Augustyniak auch selbst einen Flugschein machen können. Wobei es allerdings langer Erfahrung bedarf, selbst zu fliegen und dabei zugleich die Ackerflächen im Blick zu behalten.
Am einfachsten ist ein Computer-Rundflug als google-earth-Pilot. Auch hier gibt es eine Vielzahl interessanter Dinge zu entdecken. Und Sie können sich jederzeit gern an mich wenden, wenn Sie irgendwo in Niedersachen etwas Interessantes entdeckt haben. Angesichts leerer staatlicher Kassen kann ich Ihnen zwar keine Fundprämien versprechen, aber jederzeit schnelle Beratung. Bei vielen Landkreisen gibt es auch einen Kreisarchäologen oder eine Kreisarchäologin, die eine Fundmeldung gern entgegennehmen. Nur unser zentrales Luftbildarchiv im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege ist inzwischen personell so schwach besetzt, dass sie es begrüßen würden, wenn Ihre Fundanfragen von mir entgegen genommen und zeitnah beantwortet werden. Also: Ich stehe bereit! Bitte schicken Sie ein Foto über E-Mail an meine Adresse: Heinz-Dieter.Freese@gmx.de. Und dann klären wir schnell, ob es sich um ein vor- oder frühgeschichtliches Objekt handelt und welche Angaben noch benötigt werden, damit dieses Bodendenkmal in unserer archäologischen Datenbank aufgenommen werden kann, - natürlich mit Ihrem Namen!

Heinz-Dieter Freese (2010)




Redoutte bei Wolfenbüttel Ldkr. Wolfenbüttel , im Jahre1989 entdeckt von Bernd Augustyniak. Foto: Andreas Grüttemann 2003