Am 19. November fand im Landesamt für Denkmalpflege in Hannover das diesjährige Herbsttreffen der Luftbild-AG statt. Mit einem Einblick in die Geschichte der Luftbildarchäologie im Raum Mayen-Koblenz gab der Dr. Lutz Grunwald (VAT - „Vulkanologie, Archäologie und Technikgeschichte“. Forschungsbereich VAT des RGZM) einen Einstieg in die Frühzeit der Luftbildarchäologie und seine Weiterentwicklung bis in die heutige Zeit. Eindrucksvoll präsentierte er Luftbilder der damaligen alliierten Streitkräfte von Baudenkmälern, die in dieser Form heute leider nicht mehr existieren. Auch die Unterschiede in den Luftbilder von damals und heute wurden mit ihrer unterschiedlichen Technik der Senkrecht- und Schrägaufnahmen deutlich. Dr. Klemens Wilhelmi, welcher ebenfalls einige Zeit in dem Bereich tätig gewesen war, ergänze die Ausführungen mit seinen Erinnerungen.

Im Anschluss diskutierten die Mitglieder gemeinsam mit Dr. Henning Haßmann (Landesarchäologe) und dem Referenten die Möglichkeiten der zukünftigen Zusammenarbeit und engeren Einbindung der Möglichkeiten, welche die Mitglieder der Luftbild-AG bieten können. Dr. Grunwald bedauerte, dass das Instrument Luftbild-AG mit seinen Piloten und aktiven ehrenamtlichen Mitgliedern zurzeit noch nicht in seinem neuen Wirkungsbereich im Rheinland vorhanden wäre. Auch in Niedersachsen ist man laut Herrn Heinz-Dieter Freese (Leiter der Luftbild-AG) bemüht mehr neue Mitglieder und Piloten für diesen Aufgabenbereich zu interessieren.

Nach der Diskussion wurden von Gerhard Steinborn (FAN) die erweiterten Möglichkeiten der Auswertung von digitalen oder eingescannten Luftbildern durch Bildbearbeitungsprogramme erläutert. Vor allem die Solarisation- und Relieftechnik lässt bei gezieltem Einsatz einige Details eines Luftbildes deutlicher erscheinen. In dem Zusammenhang zeigte sich aber auch durch eine Erklärung von Bernd Günther (FAN), dass es schnell zu Fehlinterpretationen bei Luftbildern kommen kann. So manche Struktur lässt sich durch Verlagerung von unterschiedlichen Böden - zum Beispiel Feuchtbereiche - mit der heutigen angewendeten Tiefpflugmethode auf den Äckern erklären. Dr.Haßmann, Herr Freese und auch Herr Günther wiesen darauf hin, dass es erforderlich sei, ein Interpretation eines Luftbild vorbehaltlos anzugehen. "Wenn man etwas Bestimmtes suchen möchte, wird man auch in fast jedem Luftbild etwas finden" gab Dr. Henning Haßmann zu bedenken und traf damit auf Zustimmung vieler anwesenden Mitglieder.

Herr Heinz-Dieter Freese machte im Anschluss auf die Möglichkeiten des kostenlosen Programms Google Earth aufmerksam und zeigte seine Ausarbeitung der bislang beflogenen Gebiete in Niedersachsen anhand eines Google Earth Bildes. Dr. Haßmann möchte gerne in näherer Zukunft durch geeignete Projekte versuchen, den tatsächlichen Bestand an Luftbildern (Alt- wie Neubefliegung) zu erfassen. Auch versiegelte Gebiete (Industrie- und Bebauungsbereiche) sowie großflächige Oberflächenabtragungen müssten erfasst werden, um die interessanten Lücken im niedersächsischen Raum zu ermitteln. So könnten wesentlich wirkungsvollere Befliegungen stattfinden und langsam die weißen Flecke verringern.

Im Nachklang zeigte Günter Lange und auch Heinz-Dieter Freese noch einige Aufnahmen aus der diesjährigen Flugsaison. Den Abschluss bildete wie immer eine kleine Fundbesprechung von Bodenfunden durch Dr. Wilhelm Gebers.

Direkt im Anschluss fand noch eine Sitzung des Vereinsvorstandes statt.

Bericht und Fotos: Bernd Günther 2006




Reger Gedankenaustausch schon vor dem Vortrag (2.vl Dr. Lutz Grunwald / re. Dr. Klemens Wilhelmi) Foto: Bernd Günther FAN

Dr. Lutz Grundwald
(VAT beim RGZM)
Dr. Henning Haßmann
Landesarchäologe beim NLD
Heinz-Dieter Freese
(Leiter Luftbild-AG FAN)
Gerhard Steinborn
(FAN-Mitglied)