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Der Beginn des nacheiszeitlichen Hochmoorwachstums in Niedersachsen ist die Folge einer kontinuierlichen Klimaveränderung. In ihrem Verlauf stieg die Jahresdurchschnittstemperatur deutlich und die Niederschlagsmengen auf über 700mm in Mittel an. Beide Faktoren trugen entscheidend zum Entstehen von Versumpfungszonen und der Bildung von Niedermooren an geeigneten Standorten bei. Sie sind die Keimzellen der seit dem Atlantikum (ab ca. 7000 v.Chr.) aufwachsenden Hochmoore, die in der Folgezeit zusammenwuchsen und schließlich größere Regionen des norddeutschen Tieflandes bedeckten.
Ein intaktes Moor besitzt die besondere Eigenschaft, archäologische Fundstücke aus organogenen Substanzen, wie Holz, Haut, Stoff, Fell oä. dauerhaft zu konservieren. Gerade solche Objekte bilden eine hervorragende Ergänzung zum Objektbestand der Mineralböden, in denen sie unter normalen Umständen vergehen.



Abb.1 Verteilung der Moore in Niedersachsen. Herkunft: --

Viele der erhaltenen Gegenstände entstammen dabei Lebensbereichen, von denen wir ansonsten nur wenig wüssten. Die geistig-religiöse Vorstellungswelt erschließt sich uns in mannigfacher Weise durch Moorleichen, hölzerne Kultfiguren und Weihegaben. Gerätschaften des täglichen Bedarfs zeigen handwerklich-technische Fähigkeiten unserer Vorfahren.

Die Untersuchung von Moorwegen macht uns als Ergebnis organisierter Planung mit gesellschaftlichen Strukturen vertraut.



Abb.2 Steinbeil vom Pfahlweg 31 Pr.Herkunft:--

Über einen langen Zeitraum, vom Mittelalter bis in die Neuzeit hinein, galten die Moore als lebensfeindlich und waren somit weithin vor dem Zugriff des Menschen geschützt. Nicht so in den frühen Kapiteln unserer Geschichte. Damals scheute der Mensch die Nähe des Moores nicht; er betrat ihre weiten Flächen aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus und gewährte ihnen einen wichtigen Platz in seiner Glaubenswelt. Er benutzte ihre Unzugänglichkeit bei drohender Gefahr und legte durch sie hindurch befestigte Wege an, um neue Siedlungsräume zu erschließen und Handel zu treiben. Dabei hinterließ er in vielfältiger Form Spuren seiner Anwesenheit. Diese gilt es aufzufinden und zu erhalten; dort wo kein dauerhafter Schutz gewährleistet ist, müssen sie dokumentiert und gedeutet werden.



Abb.3 Keramik aus der Siedlung Hüde 1 am Dümmer, Lkr. Diepholz. Herkunft: --

Großes Interesse haben von jeher die ur- und frühgeschichtlichen hölzernen Moorwege hervorgerufen. Im nördlichen Niedersachsen sind bis heute mehr als 300 dieser Wege aufgefunden worden, von denen der älteste bereits in der Mitte des 5. Jahrtausends v.Chr. angelegt wurde.Die technische Ausführung dieser Wege zeigt ein breites Spektrum von schmalen Fußwegen bis hin zu straßenartigen Anlagen von mehreren Metern Breite. In der ersten Gruppe fassen wir mit einiger Wahrscheinlichkeit Wirtschaftswege lokaler Bedeutung; ihre Aufgabe bestand in erster Linie darin, den Zugang zu Hochmoorflächen über die feuchten Randzonen zu ermöglichen oder isolierte Sandinseln zu erschließen.



Abb.4 Ausgegrabener hölzerner Moorweg. Herkunft:--

Die technisch aufwendig konstruierten Bohlenwege stellen hingegen multifunktionale Anlagen dar, deren Errichtung ein gemeinsames gesellschaftliches Interesse beinhaltet. Die Erschließung neuer Siedlungsflächen im von Mooren vielfältig gegliedertem norddeutschen Flachland dürfte ohne entsprechende Wege äußerst schwierig gewesen sein. In der Nutzungszeit liefen dann Nachschub, Handel und soziale Kontakte zu den Nachbargemeinden über diese Bohlenwege, die an ein weiterführendes Verkehrsnetz angebunden waren.
Im Verlauf der Trassen sind viele Funde geborgen worden, darunter Funktionsteile von Wagen wie Achsen und Räder, deren älteste aus dem 3. Jahrtausend v.Chr. stammen. Bruchstellen zeigen, dass sie während der Moorüberquerung unbrauchbar und durch Reperatur an Ort und Stelle ersetzt wurden.
Mit Hilfe der C-14-Methode erhält man einen zeitlichen Fixpunkt für das Alter der Objekte. In neuerer Zeit kam als zweite Datierungsmethode die Dendrochronologie, also die vergleichende Jahrringzählung an Eichenstämmen, hinzu. Sie gestatten unter günstigen Voraussetzungen die jahresgenaue Datierung archäologischer Befunde und ihre Verbindung mit paläo-botanisch nachgewiesenen Besiedlungsvorgängen.
Die niedersächsischen Hochmoorgebiete stellen ein Kulturarchiv ersten Ranges dar, welches es zu erhalten und zu pflegen gilt. Besonders dort, wo die ihre Zerstörung unaufhaltsam fortschreitet, gilt es, durch gezielte Untersuchungen Informationen zu sammeln, auszuwerten und in historische Zusammenhänge zu bringen. Diesem Ziel widmet sich das Institut für Denkmalpflege als die niedersächsische Denkmalbehörde im Rahmen einer eigenen Schwerpunktaufgabe. Um diese Arbeit effektiv zu gestalten, bedarf es vor allem der Hilfe und Unterstützung der Bevölkerung.


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Sollten Sie Kenntnis von archäologischen Funden und Fundstellen besitzen, so melden sie sich bitte bei:

Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege

Scharnhorststr.1
30175 Hannover
Tel. 0511-9255349
Fax 0511-9255328



Abb.5 Freigelegter Bohlenweg, Herkunft: --