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FAN-Projekt zur Siedlungsarchäologie: Bosse 2001

Bericht: Johann Friedrich Tolksdorf -  Fotos: Wilhelm Gebers

Siedlungsarchäologie hat die Aufgabe, Besiedlungsabläufe und Gründe für die Änderungen des Siedlungsverhaltens vorgeschichtlicher Siedlergemeinschaften zu erschließen. Von besonderem Interesse sind die in Niedersachsen naturräumlich stark gegliederten Landschaften, die entwicklungsgeschichtlich stärker in sich geschlossene Siedlungsräume aufweisen. 

Mit Schwerpunktprogrammen in diesen Bereichen werden durch die Erforschung von vorgeschichtlichen Siedlungen und Gräberfeldern Beiträge zur Erklärung früher Siedlungsmuster und Siedlungsveränderungen gewonnen. In der Erde sind vielfältige Informationen unserer Vorgeschichte konserviert. Es kommt allerdings darauf an, dieses Bodenarchiv zu erhalten oder zu lesen, bevor es zerstört ist.

Das Projekt Bosse

Eines der wichtigsten Projekte des Freundeskreises für Archäologie in Niedersachsen (FAN) im Jahr 2001 galt der Erforschung einer Fundstelle bei Bosse. In Zusammenarbeit mit der Archäologischen Arbeitsgemeinschaft (AAG) Soltau - Fallingbostel wurde die Prospektion dieses Objektes weiter vorangetrieben. Besonders wichtig war die Einordnung des aus der Luft entdeckten Objektes hinsichtlich seiner Zeitstellung und Funktion.

Die Fundstelle Bosse (Genau: Bosse FStNr.17, Gde. Frankenfeld, Ldkr. Soltau- Fallingbostel) wurde erstmals am 16.09.1990 durch O. Braasch aufgenommen (Luftbildarchiv des NLD Nr. 3322/007-01). Das Luftbild zeigt positive Bewuchsmerkmale, die in der Publikation als "große abgerundet-rechteckige Grabenverfärbung mit einer kleinen quadratischen Grabenformation im Innenbereich" beschrieben wurden. Funktion und Datierung blieben unklar. (Siehe auch: Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte, Beiheft 3 (1999). Flugprospektion in Niedersachsen, Teil 1, S. 35 ff, Abb. 16) 

Um nähere Informationen über Art, Zustand und Beschaffenheit der Struktur zu gewinnen, wurde daher am 10.04.2000 durch Mitglieder des FAN und der AAG eine zerstörungsfreie Bohrkernsondage durchgeführt. Sie hatte zum Ergebnis, dass es sich bei den aus der Luft beobachteten Strukturen um über einen Meter tiefe Gräben handelt, die innerhalb eines relativ kurzen Zeitraumes wieder verfüllt worden waren.   

Da aus diesen vorausgehenden Untersuchungen weder das genaue Alter noch die Funktion dieses Grabenkomplexes ersehen werden konnte, entschloß man sich, einen Teil der kleineren inneren Rechteckstruktur archäologisch freizulegen.

Diese Ausgrabung wurde am Wochenende (18./19.08.2001) unter der Leitung von Herrn Dr. Wilhelm Gebers vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege und Herrn Wilhelm Meyer von Mitgliedern der o. g. Vereine durchgeführt.

Bei heißem und trockenem Wetter gelang es dank der tatkräftigen Unterstützung und des vielfältigen Engagements aller Teilnehmenden, insgesamt fast die Hälfte der inneren Fläche aufzudecken und zu dokumentieren. Es zeigte sich, dass innerhalb der durch den Graben eingefassten Fläche Pfostenverfärbungen nachzuweisen waren. Diese Pfostensetzung muss aufgrund ihrer Ausrichtung zum Graben mit diesem in baulichem Zusammenhang stehen und ist als Überrest einer ehemaligen größeren Bebauung zu sehen. Nach der Anordnung der Pfosten könnte es sich hier um ein rechteckiges Gebäude handeln, dessen Dach von massiven Bohlen gestützt wurde. Da sich in einigen Pfostenlöchern auffällig viele Holzkohlestücke fanden, kann davon ausgegangen werden, dass ein Brand das betreffende Bauwerk zerstört hatte.

Abb. 1: Übersicht über das Grabungsfeld  

 

Abb. 2: Verfärbungen im Boden: ein Graben, parallel eine Pfostenreihe und weitere Pfostengruben

Da der Acker bereits in der darauffolgenden Woche bestellt werden sollte, reichte die Zeit nicht, um Einzeluntersuchungen des Grabens und der Pfostenverfärbungen durchzuführen. Die freigelegte Fläche wurde nach Abschluss der zeichnerischen Dokumentation daher wieder verfüllt. Sie soll - der komplexen Befundlage angemessen - durch reguläre archäologische Ausgrabungen erforscht werden.
Leider konnte trotz gründlichster Untersuchung keine größere Menge an Artefakten gefunden werden, die einer genauere zeitliche Einordnung zuließe. Lediglich im Bereich der Grabenfüllung wurde eine glasierte Scherbe gefunden, die eine neuzeitliche Datierung andeuten könnte. Da diese Scherbe aber auch mit der späteren Verfüllung des Grabens abgelagert sein könnte, lässt sich aus diesem Fund keine sichere Datierung herleiten. In welchem Umfang einige kleine Eisenoxidstücke (Metallgegenstände?) eine Datierung ermöglichen werden, kann vor der ausstehenden Restaurierung nicht entschieden werden.

Abb. 3: die Grabungsfläche ist  für die Fotodokumentation teilweise mit Maßbändern ausgelegt

 

Insgesamt war der bisherige Verlauf des Projektes für alle Teilnehmer überaus zufriedenstellend. Zwar steht die endgültige Datierung noch aus, dennoch ist die Funktion des inneren Grabens nun geklärt und dessen Bezug zur ehemaligen Innenbebauung eindeutig nachgewiesen. Die Wertschätzung dieser und gleichartiger, aus der Luft entdeckter Anlagen für die frühgeschichtliche Besiedlung hat durch diese Grabung eine neue Grundlage erhalten.

Das Projekt kann auch als Beispiel dafür gelten, wie durch die Zusammenarbeit der Denkmalschutzbehörden mit archäologischen Vereinigungen erfolgreich die Geschichte vor der eigenen Haustür erforscht werden kann.

 


Ein Kurzbericht über diese Grabung ist in der FAN-Post 2003, Heft 2, auf S. 7 erschienen, der hier wiedergegeben ist:

Zum Titelbild  

Ein interessantes archäologisches Projekt des Freundeskreises für Archäologie in Niedersachsen (FAN) wurde 2001 in Kooperation mit der Archäologischen Arbeitsgemeinschaft Soltau-Fallingbostel (AAG) begonnen.

Im Luftbild (Aufnahme 0. Braasch) zeigte sich eine große, rechteckige Grabenanlage mit einem kleinen quadratischen lnnengraben. Nach Vermessung und Bohrkernuntersuchungen wurde die kleine quadratische Innenfläche bei einer Wochenendgrabung beider o. g. Vereine - etwa zur Hälfte - freigelegt.

Das Titelbild zeigt das innere Quadrat, zur Hälfte als Luftbildverfärbung. ln der zweiten Hälfte sind die bei der Grabung festgestellten Bodenverfärbungen (Pfosten eines rechteckigen Holzbaues und Teile des freigelegten Grabens) dargestellt.

Weil bei den Ausgrabungen keine sicher datierende Funde geborgen werden konnten, hat die AAG eine Radiokarbondatierung von einem der verbrannten Holzposten an der Christian-Aibrechts-Universität in Kiel in Auftrag gegeben. Danach datiert das Gebäude in das 15. Jahrhundert n. Chr. Wahrscheinlich handelt es sich bei dieser Fundstelle um einen befestigten Hof der Vorgängersiedlung des heutigen Dorfes Bosse.  

Da bei den Ausgrabungen aus Zeitmangel nur ein Flächenplan der Verfärbungen angefertigt werden konnte, soll in einem Folgeprojekt das innere Quadrat vollständig freigelegt und die Baustruktur mit Profilschnitten durch die Bodenverfärbungen genauer untersucht werden.

Das Projekt zeigt, wie unter fachlicher Anleitung auch Vereine in eigener Leistung wichtige Beiträge zur örtlichen Vorgeschichte und Forschung beitragen können. Da mit den Mitteln beider Vereine allein keine größeren Ausgrabungen realisiert werden können, werden für dieses Vorhaben noch Sponsoren gesucht.

W. Gebers