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Freilegung eines Grabhügels bei Rinteln-Möllenbeck 2016

Südlich der Porta Westfalica entstand während der Saale-Eiszeit durch das Austreten großer Wassermengen an der Gletscherfront in einen glazialen Eisstausee ein mächtiger Schwemmfächer aus Sand und Kies. Auf einem dieser ca. 80 m mächtigen Höhen nahe des Ortes Rinteln-Möllenbeck, Ldkr. Schaumburg, führte das Seminar für Orientalische Archäologie und Kunstgeschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege im Sommer 2016 eine Lehrgrabung durch. Die Grabung wurde tatkräftig durch Mitglieder des F.A.N., allen voran Gerd Lübbers, unterstützt. Veronica König und Harald Nagel vom Landesamt für Denkmalpflege haben den Grabhügel, der einen Durchmesser von ca. 15 Meter besitzt, mit seinen Eingrabungen mit ca. 2000 Einmessungen und die fortschreitende Ausgrabung mit Hilfe einer Drohne dokumentiert.

 

Abb. 1, links: Profilsteg durch den Grabhügel

 

Abb. 2, rechts: Fotodokumentation eines Profilsteges, durch die örtliche Grabungsleiterin, Julia Zilonkowsky

 

Die Ausgrabung zielte auf die Freilegung eines zuvor bereits stark gestörten Grabhügels mit einem Kopfstich und einem von Norden auf den zentralen Bereich führenden 6 x 2 m breiten Graben. Der Grad der Zerstörung frustrierte alle Teilnehmer ebenso wie die absolute Fundarmut, doch konnten dem zum Trotz noch einige spannende Beobachtungen dokumentiert werden. Der Grabhügel überraschte durch eine eigenwillige Stratigraphie, da der Hügelkern aus einer artifiziell überhöhten glazialen Struktur bestand, die sich als gebänderte und mit Löss vermischte obere Ablagerung des Eisstausees darstellte.

 

Abb. 3, links: Fotodoku der gebänderten Ablagerungen des Eisstausees

 

Abb. 4, rechts: Reste eines Steinpflasters für eine Urnenbestattung

 

 

 

 

 

Abb. 5, links: auch mehrere große Baumwurzeln mußten freigelegt werden

 

Abb. 6, rechts: das Grabungsteam -

stehend v.l.n.r.: Uve Kubitschek (FAN), Lea, Gwen und Jessica (alle Uni Halle-Wittenberg), Gerd Lübbers (FAN),

davor sitzend: Dr. Simone Arnhold und Julia Zilonkowsky M.A.

 

 

Diese kleine Erhöhung wurde durch Anhäufung mit Material des Anstehenden ausgebaut. Die geschaffene Nekropole diente zur Eingrabung von Urnenbestattungen, deren Niederlegung auf kleinen Steinpflastern erfolgte. Damit schufen sich die Menschen der Eisenzeit in exponierter Lage mit Blick in das Wesertal und zur Porta Westfalica einen Grabhügel, dessen Lage nicht nur in der Eisenzeit beeindruckt haben dürfte, sondern auch in jüngerer Zeit Interesse weckte, wovon nicht nur die Beraubung, sondern auch der rege Besucherverkehr während der Freilegung zeugte.

Allen Teilnehmern sei für ihre Mühe und Einsatz sehr herzlich gedankt.

Simone Arnhold

 

Fotos: 1-5: G. Lübbers, 6: J. Zilonkowsky