Beitrag von Dr. Peter Henrich (Köln)

1. Luftbildarchäologie
Mit Hilfe der Luftbildarchäologie können an der Oberfläche nur bedingt zu erkennende oder nicht genau lokalisierbare Bodendenkmäler aufgrund verschiedener Bewuchs- und Bodenmerkmale analysiert und dokumentiert werden.

1.1 Bewuchsmerkmale
Man unterscheidet prinzipiell zwei verschiedene Typen: Einerseits negative Bewuchsmerkmale von Pflanzen, die über Mauerwerk, Straßen oder sonstigen Steinsetzungen sichtbar sind und andererseits positive Bewuchsmerkmale bei Pflanzen, die man über wieder verfüllten Eintiefungen (Gräben, Gruben) in den gewachsenen Boden entstehen.
Diese zwei Typen sind während der Wachstumsphasen des Getreides unterschiedlich stark zu erkennen.
Vor und während der Wachstumsperiode des Getreides sind negative Bewuchsmerkmale über Mauern, antiken Straßenzügen etc. in Form von gelben und im allgemeinen schlechter entwickelten Pflänzchen zu erkennen, wohingegen sich die Saat über verfüllten Gräben und Gruben besser entwickelt, d.h. dunkelgrün und sehr kräftig ist (positive Bewuchsmerkmale) (Abb.1). - Zur Vergrößerung die Grafiken bitte anklicken -



Abb. 1 Merkmale im Frühjahr Negative (li.) und positive (re.) Bewuchsmerkmale (c) Dr.Peter Henrich, Köln



In der Zeit während und kurz nach der Ährenschiebe ist die schlechtere Entwicklung der über Mauern wachsenden Pflanzen noch besser zu beobachten.
Die Gelbfärbung ist zwar größtenteils verschwunden, doch ist ein Größenunterschied von bis zu 40cm im Vergleich zu den Pflanzen festzustellen, die auf verfüllten Bodeneintiefungen wachsen. Diesen steht mehr Humus und somit eine höhere Wasseraufnahmekapazität des Bodens zur Verfügung (Abb.2).



Abb. 2 Merkmale nach der Ährenschiebe Negative (li.) und positive (re.) Bewuchsmerkmale (c) Dr.Peter Henrich, Köln



Weiterhin sind Getreidepflanzen, die über einer im Boden verborgenen Mauer wachsen, im Falle eines Windbruches meistens resistenter sind als Pflanzen, die daneben oder über einem verfüllten Graben wachsen. Das liegt daran, dass erstere aufgrund ihrer geringen Höhe dem Wind weniger Angriffsfläche bieten. Auch die mit der geringeren Höhe verbundene, größere Stabilität spielt eine nicht unwesentliche Rolle (Abb.3).



Abb. 3 Windbruchmerkmale Negative (li.) und positive (re.) Bewuchsmerkmale (c) Dr.Peter Henrich, Köln



In der Reifephase werden Pflanzen über Mauerwerk schneller reif und somit auch früher gelb als das Getreide des restlichen Feldes. Dies ist besonders nach einem extrem trockenen Sommer zu bemerken. Sobald jedoch auch die Pflanzen des restlichen Feldes in die Reife übergegangen sind, sind nur noch Unterschiede in der Höhe der Pflanzen zu erkennen.
Anders verhält es sich mit dem Getreide, das über Gräben wächst. Es bleibt länger grün, da ausreichend Wasser und Humus zur Verfügung stehen.

Abschließend bleibt noch zu sagen, dass diese Bewuchsmerkmale am besten bei Feldfrüchten wie Gerste, Roggen, Weizen und Hafer festzustellen sind. Andere Pflanzen wie z.B. Obst, Weinreben, Kartoffeln oder Mais sind für eine luftbildarchäologische Auswertung schlechter geeignet, da diese in zu großen Abständen eingesäht werden.

1.2 Schattenmerkmale
Die Schattenmerkmale basieren im Prinzip auf den Bewuchsmerkmalen, die in der zweiten und dritten Phase des Wachstumsvorganges deutlich werden.
Photographiert man während dieser Zeit bei einem tiefen Sonnenstand ein bestimmtes Gebiet, so werden zum einen die durch die unterschiedlichen Höhen der Getreidehalme entstehenden Schatten erkennbar, und zum anderen sieht man mehr oder weniger großflächige Geländeerhebungen (z.B. Tumuli) in einem sonst flachen Gebiet (Abb. 4).



Abb. 4 Schattenmerkmale Negative (li.) und positive (re.) Bewuchsmerkmale (c) Dr.Peter Henrich, Köln



1.3 Feuchtigkeitsmerkmale
Nach einer Schneeschmelze oder einem starken Regenschauer lassen sich in Wasser speichernden Böden wie Löß und Lehm unterschiedlich starke Verdunstungsraten feststellen. So trocknen ungestörte Flächen relativ gleichmäßig aus. Die Verfüllungsschichten ehemaliger Gräben speichern aufgrund ihres veränderten Wasserbindungsvermögens das Wasser länger.

1.4 Schneemerkmale
Im Winter sind nach einem Schneeschauer höher gelegene Geländeabschnitte schneefrei, da sich der Schnee aufgrund des Windes in Luv und Lee dieser Erhebung angesammelt hat.
Genau auf die gleiche Weise werden Gräben mit Schnee verfüllt. Mit Hilfe der Schneemerkmale lassen sich vor allem Grabhügel sowie Befestigungsanlagen durch die Luftbildarchäologie erkennen.

Während der ersten Frostperioden des Winters taut der Schnee schneller über verfüllten Gräben, da die feinporige und feuchte Einfüllung eine stärkere gespeicherte Bodenwärme aufweist als der benachbarte ungestörte Boden.

Umgekehrt kann man am Ende einer Kälteperiode feststellen, dass der Schnee über Gräben länger liegen bleibt, da sich dort im Laufe des Winters durch langen, tiefgreifenden Frost sozusagen ein Kältereservoir gebildet hat.

1.5 Bodenmerkmale
Archäologische Befunde zeichnen sich durch eine andere Farbe und eine andere Konsistenz des Bodens aus, der über dem Befund liegt, da hier die Bodenstruktur zum Teil tiefgreifend gestört ist. So sind zum Beispiel Brandschichten, Mauerzüge oder römischer Estrich aufgrund ihres anderen Erscheinungsbildes oft klar als andersfarbige Flächen vom umgebenen Boden zu unterscheiden.

Alle Grafiken mit freundlicher Genehmigung von Dr. Peter Henrich, Köln (c) 2006