Extreme Trockenheit ist eine Voraussetzung für die Luftbildprospektion, denn nur so zeigen sich deutliche Bewuchsmerkmale. Und eine ideale Trockenzeit ist der Mai. Dann steht das Getreide in voller Höhe und hat bereits Frucht angesetzt. Und der Farbwechsel von grün auf gelb im folgenden Monat bringt schöne Ergebnisse. Was aber, wenn die große Trockenheit schon Ende März beginnt, wie in diesem Jahr 2007? Am 30. April war ich zu einem Erkundungsflug über dem Mittelwesergebiet. Und der Ertrag des Fluges war beschränkt auf eine einzige Pflanzenart: den Raps. Inmitten der gelben Felder zeigten sich deutliche Kontraste; aber eben nur da.
Vermutlich ist der Grund dafür, dass die Rapspflanzen bereits ihren vollen Wuchs erreicht haben und deshalb dringend auf Feuchtigkeit angewiesen sind. Alle anderen Getreidearten und Wiesen zeigten nur schwache Kontaste; darunter auch gut bekannte Fundstellen. Der grüne Bewuchs war überall schwach ausgebildet die Pflanzen sind vermutlich genügsam, um zu überleben. Für den archäologischen Prospektionsflug bedeutet das eine erhebliche Reduzierung der Möglichkeiten; ähnlich wie ein Flug im August, wo die meisten Felder bereits abgeerntet sind und nur der Mais sehr deutliche Kontraste bildet. Wenn man Glück hat, entdeckt man bei solch einer selektiven Suche eine außergewöhnliche Fundstelle. Wenn man Pech hat, sind die Kosten des Fluges vergeudet. Dieses „Glücksspiel“ gehört zwar wesensmäßig zur Luftbildarchäologie. Aber kurz vor der Ernte, im Juni und Juli, sind die Fund-Chancen doch wesentlich höher als im April und im August.
Heinz-Dieter Freese (2007)
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Gelbes Land Spuren einer hochmittelalterlichen Ortswüstung im Rapsfeld, Gemarkung Estorf, Lkr. Nienburg 30.04.07, - Foto: Freese FAN
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