Anmerkungen zu Hermann Speckmanns „Römer im Oldenburger Land?“, Oldenburg (Verlag Isensee) 2006

Der Autor aus Nordoldenburg setzt gleich im Titel ein Fragezeichen als Hinweis darauf, wie schmal hinsichtlich seiner Hauptthese seine Fund- und (noch schmaler) Befundbasis ist. Ausdrücklich will er auch keine streng wissenschaftliche Abhandlung liefern, erst recht keine neuen Theorien. Vielmehr wendet er sich vor allem an Heimatfreunde und allenfalls Heimatforscher, denen er innerhalb seines immerhin 122 Nummern umfassenden Literaturverzeichnisses rund 40 speziell für den Oldenburger Bereich konzipierte Beiträge zusammenstellt.

Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist nachvollziehbar der knapp südlich der ehemaligen Oldenburger Landesgrenze gelegene überragend wichtige römische Schlachtenort Kalkriese, in dessen Datierungsproblematik er jedoch nicht eingreift trotz durchscheinender persönlicher Präferenz für Caecina statt Varus.

Für Leser, die sich für die römische Okkupationszeit interessieren, ist Speckmanns Aufstellung der Neufunde vor allem von Münzen, die in augusteisch-tiberischer Zeit in den Boden gelangt sind, nämlich in Goldenstedtt, Diepholz (Mehrholz) und südlich von Lingen/Ems (Hesselte, Ahlde, Lünne) hilfreich. Die Altfunde (incl. der bis ins 3./4. Jh. datierten) werden mit eingebracht. Verständlicherweise hegt der Autor die Hoffnung, dass die Beobachtung dieser Fundstellen in naher Zukunft evtl. auch zur Auffindung römischer militärischer Anlagen führt.

Auch die gerade von Heimatforschern geradezu traditionell gern herangezogene, jedoch bekannt schwierige Wege-, speziell Moorwegeforschung lässt der Autor zur Geltung kommen. Hierbei ordnet er z.B. im Großen Moor von 36 bekannten Pfahl- und Bohlwegen im Noren zwischen Brägel bei Lohne und Aschen bei Diepholz die Bohlwege II (Pr) nördlich und VI (Pr) südlich von Mehrholz in die frühkaiserzeitliche Phase ein neben dem deutlich jüngeren IV (Pr), der direkt auf die Hofstelle Gr.Mehrholz zielt. Den im Süden des Großen Moores nahe an Kalkriese vorbeiführenden älteren (!) und damit nicht in diese Phase passenden Bw XXV (Pr) spricht er auch an. In diesem Zusammenhang formuliert er als Desiderat eine wissenschaftliche Untersuchung der bei der letzten an diesem Bohlweg im Jahre 1992 zunächst vom damaligen Oldenburger Museum für Naturkunde und Vorgeschichte und wenig später vom damaligen Institut für Denkmalpflege Hannover durchgeführten Grabung gefundenen waffenartigen Holzteile.

Überhaupt rückt Speckmann die sich derzeit mit modernen archäologischen Methoden anbietenden Chancen ins öffentliche Bewusstsein, im weiten Umkreis Kalkrieses auf den bekannten alten und auf den neuen Fundstellen zu greifbaren soliden Befundergebnissen zu kommen. Außer den durch Neufunde wieder ins Blickfeld getretenen Fundstellen Goldenstedt/Arkeburg und Aschen-Mehrholz nennt er auch die aufsehenerregenden Fundstellen seit 1993 südlich Lingen (s.o.) und die durch Dr. Peter Glüsing seit Dezember 2005 in weitgespannte Diskussion gebrachte kaiserzeitliche Fundstelle ganz nahe an der Ems in Geeste nördlich von Lingen.

Abschließend sei noch auf die 13 archäologischen Karten mit Schwerpunkt Wegeforschung (überwiegend auf Prejawa zurückgehend) hingewiesen und auf die Abbildung (Titelseite!) der ältesten erhaltenen römischen Fundmünze der Region, eines Denars des Silanus (91 v.Chr.), vom Hof Gr.Mehrholz.

16.02.2006

Wilhelm Dräger