Exkursion nach Corvey am 9.6.2001

Auch die zweite diesjährige Exkursion der "Römer-AG" - diesmal nach Corvey bei Höxter - wurde von herrlichem Wetter begünstigt.
Pünktlich um 10.00Uhr folgten 15 Teilnehmer unserem Mitglied H. Nitz.
Als erstes ging es zum Westwerk der Kirche des ehemaligen Benediktiner-Klosters. H. Nitz wies gleich zu Beginn seiner Erläuterungen darauf hin, dass er sich in hohem Maße auf Thesen und Überlegungen von H. Klabes und H. Weeg beziehen werde. (Diese sind in dem Buch von Heribert Klabes "Corvey-eine karolingische Klostergründung an der Weser auf den Mauern einer römischen Civitas", erschienen 1997 bei Huxaria, Höxter dargestellt.)
Im Mittelpunkt der detailreichen Ausführungen stand zunächst die westliche Außenfront des wehrhaften Baus, der namen- und formgebend für alle späteren Westwerke gewirkt hat.. Die einzigartige und viel diskutierte Schrifttafel "CIVITATEM ISTAM..." mit 56 einstmals tauchvergoldeten Gussbuchstaben in der Art der römischen Capitalis quadrata (Proportionsziffer 1,01 - d.i. Höhe zur mittleren Breite der Buchstaben) aus fast reinem Kupfer fand die ihr gebührende Beachtung. Die mit durchschnittlich 43 mm erstaunlich geringe Dicke der Platte bei etwa 175 cm Breite und 87 cm Höhe rief weitere Be- und Verwunderung hervor.
Großes Interesse fand auch der Hinweis auf die ursprünglich mit halbkreisförmigem Bogen ausgemauerte giebeloffene Konche, die für die Aufnahme einer weitausladenden Skulptur vorgesehen war. Zu einem späteren Zeitpunkt ist diese Figurennische beidseitig stark verengt worden. Rechts und links wird diese Konche von je einem steinernen Wolfskopf flankiert. Diese beiden Wolfsköpfe waren nie als Wasserspeier gedacht, wie Aussehen und Ort der Anbringung zeigen.
Die Teilnehmer wurden auch auf die drei unter der Inschriftentafel befindlichen, bis auf das Mauerwerk abgeschlagenen Rundbossen aufmerksam gemacht, deren ursprünglicher Verwendungszweck heute nicht mehr erkennbar ist.
Im Eingangsbereich des Westwerks wurde insbesondere auf die beeindruckenden Kapitellkörper der großen Solling-Sandsteinsäulen hingewiesen, die bis heute in wichtigen Teilen unvollendet geblieben sind. Im sog. Kaisersaal verblüfften die noch vorhandenen figürlichen Urputz-Fresken, die ausschließlich Motive aus der griechisch-römischen Mythologie zeigen.
Vor der Mittagsrast sprengte im Schlossmuseum die Besichtigung der Ausstellung über die Ausgrabung "Tom Roden", eines Filialklosters Corveys, fast den zeitlichen Rahmen. Die für mittelalterliche Verhältnisse außergewöhnlich reiche Wasserversorgung rief Erstaunen hervor, besonders die dabei ans Tageslicht beförderte Bleileitung.
Die Ruinenstätte des in Sichtweite der ehemaligen Reichsabtei gelegenen, erst teilweise ergrabenen "Tom Roden" bot dann am Nachmittag neben konkreter Anschauung auch vielfältige Anregungen, über die Geheimnisse der immer noch weitgehend unerforschten und kontrovers diskutierten Corveyer Frühgeschichte lebhaft zu 'disputieren'.
Erst als die Sonne sich über der Talaue von Corvey den Höhen der umliegenden Berge zu nähern begann, zogen die Teilnehmer im bereits wieder niedersächsischen 'Steinkrug' hoch über dem östlichen Weserufer (herrlicher Terrassenweitblick) bei Kaffee, Kuchen und Eisspezialitäten ein zufriedenes Exkursionsfazit.
Die ganz Unentwegten riskierten zum Schluss sogar noch den Abstieg in die nahen ehemaligen Sandsteinbrüche, aus denen ein Großteil des in Corvey verwendeten Materials stammt.

H.Nitz




Corvey-"Tom Roden" - FAN auf der "Mönchsbank" Foto: H.Nitz