Drei Tage "im Schatten des Arminius"

Exkursion der Römer-AG in den Teutoburger Wald vom 11. bis 13. Juni 2004

Nach mehrtägigen Exkursionen der AG u.a. ins Emsland bei Lingen und zu den römischen Lagern an der Lippe und in Kneblinghausen (mit anschließendem zweitägigen Fachseminar bei Mehrholz/Aschen) bildete diesmal der Teutoburger Wald in der Nähe des Hermannsdenkmals, also im Herzen des ehemals selbständigen Landes Lippe-Detmold, unser Ziel. Das Hotel "Mügge am Iberg" in Oerlinghausen-Währentrup unweit Detmold bot als idyllisch gelegenes Standquartier den 27 Teilnehmern das geeignete Refugium.
Am 1. Tag (Freitag, ab 16 h) bewegten sich die Pkw-Fahrgemeinschaften mit fürstlich-lippischer Sondererlaubnis und in Begleitung des Försters die deutlich "urtümliche" ziemlich lange Zuwegung zum in der älteren Römerforschung recht prominenten Winnfeld hinauf, über das der weithin sichtbare Cherusker von der nahen Grotenburg sein Schwert zu halten scheint. Seit den Nachrichten vor allem des 16./17. Jhs. über heute allesamt verschollene reiche Münz- und Militariafunde der Zeit des Augustus bzw. des Tiberius spielt jedenfalls das Winnfeld eine Rolle. Rolf Bökemeier (FAN) führte durch das Gelände. Die genaue Fundstelle des nunmehr vom Landesmuseum in Detmold verwahrten eindeutig und anerkannt römischen Riemenhakens, den er selbst mit Werner Winkels (ebenfalls FAN) 2002 dort geborgen hat, fand besondere Aufmerksamkeit wie auch die Schilderung der Fundumstände weiterer interessanter Metallobjekte, an deren Zeitbestimmung noch gearbeitet wird. Für den Abend war archäologischer Gedankenaustausch mit spezieller Einstimmung auf das dichte Programm des Folgetages angesagt.
Am 2. Tag (Samstag) führte R. Bökemeier zu mehreren sowohl durch die Topographie als auch durch frühkaiserzeitlich-römische Funde hervorgehobene Örtlichkeiten in der Nähe. Bei der Anfahrt nach Stapelage passierte der Fahrzeugkonvoi sehr bald den der Forschung wohlbekannten Hof Krawinkel. Im Ort Stapelage selbst galt die Aufmerksamkeit zunächst dem Bereich der alten Kirche mit ihren teilweise ergrabenen Curtis und dem nördlich vorgelagerten unbebauten hochinteressanten Gelände "Auf den Windhaufen". Nach kleinem Fußmarsch zur Stapelager Schlucht ging es um die Interpretation eines Auffällig geschwungenen Walles als mutmaßlicher Sperranlage und eines angrenzenden mächtigen Hügels, der auf jeden Fall als künstlich aufgeschüttet angesehen wurde. Auf der Weiterfahrt war erster Halt in der berühmten Dörenschlucht bei den beeindruckenden Sperranlagen, deren zeitliche Einordnung (mittelalterliche Landwehr oder doch wesentlich älter) kontrovers diskutiert wird. Auch die anschließend besuchten Wegesperren (?) im Heidental und vor allem am Bölkehals fanden großes Interesse und erforderten teilweise Mut zu allerhand beschwerlicher Geländekraxelei.
Aber die Mühen dieser Geländeerkundungen und die vom Winnfeld zahlten sich am Abend reichlich aus, bildeten sie doch teilweise den anschaulichen Hintergrund für das zentrale Referat "Römerforschung in Ostwestfalen/Lippe". Darin gelang es R. Bökemeier mit sorgfältig ausgewähltem Material, den aktuellen Forschungsstand zu skizzieren und diesen durch eigene Erfahrungen und sogar eigene, durch selbständige Erkundungen im Gelände ( und entsprechende Funde) gestützte Thesen für die anschließende Diskussion aufzubereiten. Bevor diese dann beinahe den ganzen Abend bis weit nach Mitternacht ausfüllte und dadurch den großen Anklang des Themas zeigte, dankte der AG-Leiter Herrn Bökemeier für das engagiert vorgetragene Referat und für die wohlvorbereiteten zweitägigen Geländebegehungen. Ein Folgetreffen in Lippe im nächten Jahr wurde schon gleich fest ins Auge gefasst, wenn auch in etwas bescheidenerem Rahmen.
Am 3. Tag (Sonntag bis 13 h) zeigte sich die alte Residenzstadt Detmold bei einer auf den denkmalgeschützten attraktiven Stadtkern konzentrierten Stadtführung - auch die Geburtshäuser Grabbes und Freiligraths fanden große Beachtung - von ihrer besten Seite. Den thematisch angemessenen Schlussakkord setzte dann eine Führung durch Ausstellung "Im Schatten des Arminius", im Landesmuseum bei der vor allem die augusteischen Funde von der Grotenburg und von Oesterholz ( 2 Pila), von der Sparrenberger Egge (römische Sandalennägel und Münzen) und vom Hof Krawinkel (Münzen) interessierten.Im nächten Jahr - so jedenfalls ein guter Vorschlag - wird möglicherweise Xanten Ziel einer Wochenendexkusion der AG werden: neben dem Dom mit dem Märtyrergrab der Römerzeit in der Krypta (Victor und seine Gefährten von der legendären Thebanischen Legion) und dem wichtigen Spezialmuseum am Domplatz schwerpunktmäßig einmal die weitgediehenen und weitläufigen Ausgrabungen mit beeindruckend aufwendigen Rekonstruktionen der Trajanstadt vor den Mauern der jetzigen Altstadt und zum anderen das ebenfalls weitläufige Gelände des berühmten augusteischen Zweilegionenlagers auf dem Fürstenberg in Birten: Castra Vetera I.

W. Dräger