Römer und Germanen in Kalkriese- Varus, Arminius, Germanicus?
So lautete das Thema des Vortrags, den Dr. Klemens Wilhelmi am 07. Oktober 2004 vor zahlreichen Zuhörern, unter ihnen auch einige Mitglieder des F.A.N., im Industrie Museum Lohne hielt. Ausgehend vom Bericht des Tacitus über das Eintreffen des Germanicus auf dem Schlachtfeld, auf dem Varus und seine Legionen des Untergang gefunden hatten, und über das, was er dort vorfand und anordnete, setzte sich Dr. Wilhelmi vor dem Hintergrund neuer Erkenntnisse, der geographischen Bedingungen, der Bodenverhältnisse, der Fundzusammenhänge, der Knochenfunde, der gefundenen Militaria und nicht zuletzt der Münzen mit Kalkriese als möglichem Schlachtort auseinander. Dabei interpretierte er die neuen Fundorte in Waldgirmes und Hedemünden und neue Erkenntnisse über die übereinanderliegenden Lager in Holsterhausen (die ältesten sicher aus der Drususzeit), über der Gräberstraße in Haltern und das Lager Anreppen, erörterte die verschiedenen geographischen Bereiche, in die der Zug des Varus eingeordnet worden ist, und ging ausführlich auf Kalkriese selbst ein. Hier setzte er sich mit dem allgemeinen morphologischen Gegebenheiten auseinander, interpretierte insbesondere den Wall auf dem Oberesch, und deutete die Skelett- und Glockenfunde von Maultieren. Es folgte schließlich eine Bewertung der militärischen der Münzfunde, vor allem eine Diskussion darüber, welches Gewicht der Tatsache, dass alle gefundenen Münzen vor 9 n.Chr. geprägt sind, beizumessen ist. Zusammenfassend hielt Dr. Wilhelmi fest: Kein anderes antikes Schlachtfeld sei ähnlich gut erforscht; Vergleichsmöglichkeiten seien nicht gegeben, vor allem sei kein Lager aus der Zeit des Germanicus gefunden. Damit seien aber die Funde in Kalkriese hinsichtliche einer Einordnung in die Okkupationskriege nicht sicher zu deuten. Es gebe zwar viele Gründe für Kalkriese als Ort der Varusschlacht, aber ebenso noch viele offene Fragen. So habe Prof. Wolters vor kurzem in der Zeitschrift Klio Kalkriese im Zusammenhang mit der Schlacht an den "pontes longi" im Jahre 15 n. Chr., also mit Germanicus gesehen.
Verfasser: Wilfried Haase
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Blick vom Turm neuen Museums in Kalkriese auf den Oberesch. (Foto: W.Dräger)
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