Vier -Tage- Exkursion der Römer-AG



Vier -Tage- Exkursion "Römer und Kelten zwischen Lahn und Main" der Römer-AG vom 16. bis 19. September 2003 unter der Führung von Wilhelm Dräger


Bei schönstem Spätsommerwetter machten sich die Teilnehmer am 16.09.2003 mit 2 Fahrzeugen vom Hotel Bürgerhof in Wetzlar aus auf den Weg nach Oberbrechen (ca. 55 km) zur sog. Alteburg. Es handelt sich um eine Wallanlage, die eine Fläche von ca. 140 x 200 m einschließt und die noch bis in die jüngste Zeit für mittelalterlich gehalten wurde. Etwa 2/3 der Wälle liegen in dichtem Wald und sind noch erstaunlich gut erhalten. Außerhalb des Waldes sind sie nur noch durch Magnetometer-Messungen nachgewiesen. Der ehemalige Landesarchäologe vermutet inzwischen eine augusteische Zeitstellung. Ein heimatkundlich interessierter "Altbauer" berichtete von einem Disput zweier Fachleute, deren Altersschätzungen vor Ort ca. 1000 Jahre auseinanderlagen.
Am nächsten Morgen besuchte die Gruppe die sensationelle Ausgrabung einer römischen Stadtgründung in Waldgirmes (ca. 5 km von Wetzlar). Der Grabungsleiter Dr. Armin Becker führte die Teilnehmer und machte sie mit den bisherigen Ergebnissen seiner Arbeit vertraut.
Im 10. Jahr der Grabung scheint sich eine 4-Phasigkeit der Anlage herauszustellen. Das bisherige Fehlen von Mannschaftsunterkünften unterstreicht den zivilen Charakter dieser Gründung, in deren Mittelpunkt sich ein römisches Forum befindet mit zum Teil steinernen Fundamenten. Enddatum scheint 98 n. Chr. zu sein nach Ausweis der VAR-gegengestempelten Münzen. Das im Südosten festgestellte Marschlager könnte noch jünger sein.
Herr Schmidt, der Leiter des örtlichen Museums, zeigte uns einige wichige römische Funde von Waldgirmis und begleitete uns anschließend zum Standort des nahegelegenen Marschlagers Dorlar, dessen Fläche inzwischen fast vollständig mit einem Gewerbegebiet überbaut ist.
Nach weiteren 10 km Fahrt erreichte die Gruppe das Keltenoppidum Dünsberg, wo der Ausgräber, Herr Dr. Karl-F. Rittershofer die Führung übernahm. Der fast 500 m hohe Dünsberg ist eine jener großen stadtartigen Anlagen der Kelten, die Hauptorte von Stämmen waren und in denen sich Verwaltung, Münzprägung, Handel und Gewerbe, aber auch Religion und Kult konzentrierten. 3 Wallringe umziehen den Berg als Reste verfallener Holz-Stein-Erde-Mauern aus den letzten Jahrhunderten vor Chr., die insgesamt eine Fläche von über 90 ha umschließen. Die Rekonstruktion eines Keltentores am Parkplatz vermittelt einen Eindruck von der Mächtigkeit der Mauern.
Der Weg führte zunächst zum sog. Schulborn, wo bereits vor 100 Jahren ein Wasserbecken aus Holz freigelegt wurde. Bei der erneuten Grabung fand man originale Überreste der keltischen Holzkonstruktion, die über die Dendochronologie die Datierung einzelner Bauphasen in die Zeit zwischen 130-80 v. Chr. ermöglichten.
Am dritten Tag stand das großflächige Kelten-Oppidum Glauburg in Glauberg auf dem Programm. Bei dem etwa 2-stündigen Rundgang auf dem archäologischen Pfad entlang von Relikten nicht nur der Keltenzeit sondern auch des frühen Mittelalters und der Neuzeit, stieß die Gruppe auf eine aktuelle Ausgrabung der Universität Mainz am Fuße der Glauburg, einem Schnitt durch den Wall der Vorburg. Höhepunkt des Rundgangs war jedoch der rekonstruierte Grabhügel des Fürstengrabes mit Teilen des noch nicht entschlüsselten Grabensystems, in dem1996 u.a. die sehr gut erhaltene lebensgroße steinerne Figur eines keltischen Fürsten gefunden wurde.
Das "Highlight" Marktbreits war am letzten Tag das augusteische Legionslager auf dem Kapellenberg. Bei der Begehung des 1985 entdeckten 37 ha. großen Standlagers (voll ausgebaut, aber offenbar nicht benutzt) führte ein glücklicher Zufall zur Begegnung mit dem Landwirt Reiner Müller, dem 30 ha von den 37 ha des Lagers gehören und der uns gründlich über Fundplätze und Fundumstände ins Bild sezten konnte.

Dieter Rodewig
Hannover, 25. September 2003 (Rd./E.Rd.)




Auf der Ausgrabung im römischen Waldgirmes 2. vr: der Ausgräber Dr. Armin Becker (Foto: FAN)