Sechzehn römische Münzen in Lohne
Bericht von der Ausstellung 'Moorzeiten' im Industriemuseum Lohne folgt. Am 26. September 2003 öffnete im Industriemuseum Lohne der archäologische Teil der Ausstellung „Moorzeiten“ (1). Bei der festlichen Eröffnung waren auch einige Mitglieder des F.A.N. anwesend und erhielten die Gelegenheit, sich von den Herren Alf Metzler M.A. und Dr. Andreas Bauerochse (2) durch die Ausstellung führen zu lassen. Sie erhielten so Informationen über die Geschichte der Moorarchäologie, den Moorwegebau, Datierungsmethoden, Paläobotanik, Konservierungsmethoden für Nassholz, das Forschungsprojekt „Campemoor“ und Funde aus den Mooren aus erster Hand. Zu den ausgestellten Funden römischer Provenienz gehören neben der eindrucksvollen Silbernadel aus dem Aschener Moor und einem Bronzelöffel sechzehn Münzen, die im Zusammenhang mit den römischen Feldzügen ins Freie Germanien stehen, Münzen, die bis 16 n.Chr. im nördlichen Bereich des Großen Moores in den Boden gelangten und in den vergangenen hundert Jahren wiedergefunden und dokumentiert wurden. Ausgestellt werden konnten allerdings nicht die Original-Fundmünzen; diese sind entweder verschollen (10 Münzen) oder befinden sich verstreut in Museen in Oldenburg (3), Hannover (2) und Syke. Um dennoch die Münzen in ihrer Gesamtheit präsentieren zu können, entschied man sich in Lohne für einen ungewöhnlichen Weg: Nach einer Idee unseres F.A.N.–Mitglieds und Leiters der Römer-AG, Wilhelm Dräger, wurden die Münzen „rekonstruiert“, d.h. Duplikate der Münzen wurden im Münzhandel mit Hilfe des Numismatikers Bernd Hamborg aus Uelzen erworben. So bietet die Ausstellung das Gesamtbild der republikanischen und augusteischen Fundmünzen (15 Denare und ein As) aus der genannten Region; dazu reizt die hervorragende Qualität der erworbenen Münzen den Betrachter, genauer hinzusehen und sich weiter zu informieren. Dies ist vor allem möglich anhand einer kleinen Broschüre (3), die zur Ausstellung der Münzen erschienen ist. In ihrem Hauptteil beschreibt Bernd Hamborg die einzelnen – hervorragend abgebildeten - Münzen detailliert, erläutert die Münzbilder umfassend und stellt sie in ihren numismatischen Zusammenhang. Begleitet werden die Beschreibungen durch einen Aufsatz des gleichen Autors über die Münzen der Römer von der Einführung des Denars (um 211v. Chr.) bis zum Beginn der Kaiserzeit in ihrem historischen Kontext. Der zur Verfügung stehende enge Raum ließ allerdings nur einen Abriss zu; er ist wohl auch die Ursache für einige Ungenauigkeiten in den Aussagen zur römischen Geschichte. Dennoch gelangt das Anliegen des Autors an den Leser. Vor der Münzbeschreibung und dem Aufsatz Bernd Hamborgs stellt Wilhelm Dräger die Fundzusammenhänge der einzelnen Münzen ausführlich dar und wertet die Bedeutung der Fundregion vor dem Hintergrund der auf den Hof Mehrholz zulaufenden Bohlwege [ Bw II, IV, VI (Pr)] und im Zusammenhang mit Kalkriese. Seine Folgerungen oder Hoffnungen, dass die Münzfunde aus jüngster Zeit dazu beitragen könnten oder sollten, die genannte Region einer modernen archäologischen Prospektion zu unterziehen, um „wenigstens die Spur einer zu Kalkriese passenden kleineren oder größeren Militäranlage“ aufzuspüren, verdienen die Unterstützung nicht nur der Römer-AG im F.A.N. Die Broschüre schließt mit einem Aufsatz von Frank Berger: Römer an Ems, Hunte, Leine? Zu den Neufunden römischer Münzen aus der Zeit des Augustus in Niedersachsen. Aus den dem Aufsatz beigefügten Karten mit den eingetragenen Neufunden – Kalkriese bleibt unberührt – lassen sich rasch vier Fundschwerpunkte erkennen: das Ems-Hase-Gebiet (v.a. Hesselte), das südliche Leinetal, der Raum Hameln-Hannover und das Huntegebiet mit Goldenstedt und Mehrholz. Berger führt die ersten drei Schwerpunkte auf eine militärische Präsenz der Römer zurück, eindeutig beim Ems-Hase-Gebiet, vorsichtiger bei den Räumen südliches Leinetal und Hameln-Hannover. Für die Fundorte Goldenstedt und Mehrholz - hier stammen die Neufunde aus republikanischer und nicht aus augusteischer Zeit (91 – 31 v.Chr) - veranlasst ihn erst die Heranziehung früherer Funde, auch in dieser Region die Anwesenheit römischen Militärs für wahrscheinlicher zu halten als die Möglichkeit, die Münzen als „Zeugnisse frühen Handels“ anzusehen. Aber auch Berger zufolge bedarf es noch weiteren Nachsuchens, um Klarheit über die Frage eines militärischen Zusammenhangs der Münzfunde zu schaffen. Die Bedeutung dieser Region in der Römerzeit wird durch sie unterstrichen.
(1) Andere Teile der Ausstellung in Vechta, Museum im Zeughaus, und im Naturschutz-und Informationszentrum in Goldenstedt (2) Beide zeichnen auch für den archäologischen Teil des Ausstellungskataloges („Moorzeiten“ Diepholz 2003; ISBN 3-89728-056-6) verantwortlich. (3) „16 römische Münzen im Industrie Museum Lohne“ hrsg. Vom Industrie Museum Lohne e.V.; Lohne 2003; ISBN 3-9808151-5-3; Preis: € 4,00
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Silanus, 91 v. Fundort: Mehrholz
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