Rullstorfer Pferdegräber

Auf dem Kronsberg bei Rullstorf - im Landkreis Lüneburg - führt das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege seit 1979 bis heute eine umfangreiche archäologische Flächengrabung durch. Dabei wurden und werden Funde einer über 5000 Jahre dauernden Besiedlung dokumentiert. Im Rahmen dieser archäologischen Grabungen fanden die Wissenschaftler ein großes Körper- und Brandgrüberfeld aus spätsächsischer Zeit (7.-8. Jahrhundert), dessen Untersuchung aufshclussreiche und interessante Erkenntnisse zu Tage brachte.
Das heutige Niedersachsen umfasst in großen Teilen das altsäschische Stammesgebiet. der Geograph Ptolomäus erwähnte die Sachsen erstmals um 150 n. Christus. Sie haben uns keine schriftlichen Zeugnisse hinterlassen, so dass sich ihre Kulturgeschichte ausschließlich aus archäologischen Funden erschließt.
In Rullstorf findet sich eines der größten und bedeutendsten Pferdegräberfelder Deutschlands, das zugleich zu den großen und wichtigen Fundstellen dieser Art in Europa zählt.




Abb. Ausstellungskatalog Cover - "Auf dem Weg nach Walhall" (Klick zum Vergrößern)

Man vermutet, dass es sich bei den Ausgrabungen von Rullstorf um ein reiches bäuerliches Anwesen, einen "Adelshof", handeln könnte. Die Beigaben in den Männer- und Frauengräbern als auch die Anzahl der mitbestatteten Tiere legen Zeugnis für den Wohlstand der ehemaligen Bewohner ab. Die Vielfalt der gefundenen Beigaben gibt uns einen Eindruck über die die Ausstattung und Tracht der Altsachsen im 7. - 8. Jahrhundert.




Auszug aus dem Katalog Fundstücke des Sattels und die Rekonstruktion (Klick zum Vergrößern)

Begleiter in Leben und Tod

Im Jahr 2000 rundet ein ganz besonderer Fund das Wissen über die Altsachsen als Reiter ab:
Eine Pferdebestattung mit Sattel und vollständigem Geschirr gibt einen faszinierenden Eindruck von der Reitausrüstung des 7. Jahrhunderts.Die originalen Fundstücke - ein Halfter mit Trense, ein Sattel mit Steigbügeln und ein Hintergeschirr - ermöglichen den Wissenschaftlern eine ebenso anschauliche wie auch detailgetreue Rekonstruktion der Ausrüstung, die im Deutschen Pferdemuseum in Verden (Aller) erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt würde.
Die vielen Pferdebestattungen lassen möglicherweise auf eine intensive Pferdehaltung schließen. Andererseits ist auch zu bedenken, dass Odins Hengst Sleipnir, das schnellste aller göttlichen Pferde, in der heidnischen Jenseitsvorstellung der Germanen eine wichtige Rolle spielte.




Auszug aus dem Katalog Zaumzeug des Sattels (Klick zum Vergrößern)

Ausstattung Männer ...

Den Männern gab man neben der Kleidung ihre Waffen mit ins Grab. Meist handelt es sich um Pfeil und Bogen, aber auch um Axt, Wurfspeer und Schild. Seltener findet man das zwischneidige Langschwert - Spatha- und das einschneidige Kurzschwert - Sax -.




Auszug aus dem Katalog Rüstung des Mannes - Funde und grafische Darstellung (Klick für Vergrößerung)

... und Frauen

Frauen trugen zum Verschliessen ihrer Gewänder schön gestaltete Fibeln. Zusätzlich schmückten sie sich mit metallenen Armreifen und Ohrringen. Für Halsketten, Haarnetze und zur Zierde der Gewänder verwendeten sie Glas-, Bernstein- oder auch Silberperlen.




Auszug aus dem Katalog Ausstattung der Frauen: Funde und grafische Darstellung

Mehr als nur Knochen

Das Gräberfeld in Rullstorf ist bislang der größte bekannte spätsächsische Pferdefriedhof. Entscheidend für die Ausstattung mit Pferd, Hund und Hirsch war das heidnische Gebot von Opfergräbern.Wissenschaftliche Untersuchungen der Pferdeskelette des altsächsischen Gräberfeldes geben Aufschluss über die Größe und Wuchs sowie über Haltung und Nutzung der Pferde - hier arbeiten Archäologen und Biologen Hand in Hand.




Auszug aus dem Katalog Gräberfeld Rullstorf (Klick für Vergrößerung)

Inhalt

Vorwort von Dr. Henning Haßmann / Benno Dräger / Ulrike Hagemeier


Zwanzig Jahre archäologische Ausgrabung Rullstorf

Von der Notgrabung zum Forschungsprojekt

Situation im Jahr 1979

Die Wiederentdeckung Die Ausgrabungen

Fast immer in Zeitnot

Stand der Grabungen 2004


Die Altsachsen

Bruchstückhafte Überlieferung

Irrtümer der Geschichte

Bedeutung der Archäologie bei der Rekonstruktion von Geschichte

Interdisziplinariätt

Friedliche Einwanderer oder kriegerische Eroberer?

Beruht Widukinds Geschichte auf einem wahren Hintergrund?

Wie kamen die Sachsen zu ihrem Namen?

Was erzählen Gräberfelder über die Jenseitsvorstellungen der Altsachsen?


Das spätsächsische Gräberfeld in Rullstorf

Wer waren die Bestatteten?

Das Ende der Altsachsen


Beweggründe

Die Religion der Sachsen

Die Götterwelt

Götter, Helfer und Dämonen

Jenseitsvorstellung

Diesseits


Opfer oder Beigabe

Das Grab des Königs Childerich

Das Fürstengrab von Beckung

Pferdedoppelgrab mit Hundebestattung aus Zeuzleben

Die Grabungsbefunde

Jagd

Der Rullstorfer Lockhirsch

Die Schirrung des Rullstorfer Hirsches

Zur Jagd missbraucht

Von den Römern bis ins Mittelalter, Jagdszenen und Darstellungen mit geschirrten Hirschen


Brandgräber

Grabungsbefund und Rekonstruktion

Scheiterhaufen mit Pfostenkonstruktion


Körpergräber

Im Baum verborgen, von der Schlange beschützt


Frauengräber

Zur sächsischen Frauentracht im 7. und 8. Jahrhundert

Zu den Perlen


Die Schwanenfibel von Rullstorf

Mythologischer Hintergrund und Deutungsmöglichkeiten

Fundgeschichte

Mythologische Deutung der Schwanenfibel

Dualismus von Leben und Tod

Geleitvogel des Tyr?

Überwindung des Todes

Der Schwan als Giebelschmuck

Wem gehörte die Schwanenfibel?


Männergräber

Männer in Brandgräbern

Männer in Körpergräbern

Das Adelsgrab 5095

Wo bleiben die Kindergräber?


Der sächsische Sattel

Das kopflose Pferd

Zur Fundbergung und Restaurierung

Die naturwissenschaftlichen Ergebnisse

Fundbeschreibung: "Das Zaumzeug - Der Sattel"


Mehr als nur Knochen

Archäozoologische Untersuchungen zu den Rullstorfer Pferdeknochen

Zur Größe der Pferde

Geschlecht und Alter der Pferde

Zur Frage der Züchtung

Welche Krankheiten lassen sich nachweisen?


Schein- oder Leergräber

... und nicht zu den Hügeln der Heiden!


Literatur- und Abbildungsverzeichnis



Bezug des Ausstellungskataloges

Herausgeber:
Industrie Museum Lohne / Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege
Preis: 12 EUR (zzgl. Versand)

Erhältlich im Industriemuseum Lohne, über den FAN, c/o Dr. Wilhelm Gebers, Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Scharnhorststr. 1, 30171 Hannover oder über das Deutsche Pferdemuseum, Holzmarkt 9, 27283 Verden (Aller)

Industrie Museum Lohne
Küstermeyerstraße 20
49393 Lohne
Tel: 04442 / 730 380
Fax: 04442 / 730 381
Internet: http://www.industriemuseum-lohne.de


Deutsches Pferdemuseum
Holzmarkt 9
27283 Verden (Aller)
Tel: 04231 / 80 71 40
Fax: 04231 / 80 71 60
Internet: http://www.dpm-verden.de