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Ein Bericht von Bernd Günther (FAN)
Es wäre ein fast normaler Herbsttag auf dem Kronsberg in Rullstorf gewesen, wenn da nicht die 20,7 Grad Temperatur zu einem Ausflug eingeladen hätten. Immerhin die höchste Temperatur seit Beginn der Wetteraufzeichnung für dieses Gebiet in einem Oktober.
Schon in den frühen Morgenstunden ist bei diesem herrlichen Grabungswetter das Ausgrabungsteam um Dr. Wilhelm Gebers auf dem Kronsberg. Seit Anfang der diesjährigen Grabungsperiode haben sich tausende von Keramikscherben angesammelt. Neben Grubenhäusern und Abfallgruben kamen aber auch einige Highlights dieses Jahr ans Licht. Einige Kniefibeln und auch ein fast faustgroßer Bernsteinklumpen wurden von dem Team aus der geschichtsträchtigen Erde geborgen. Trotz der unüberschaubaren Anzahl von Keramikscherben konnten aber auch diverse, fast vollständig erhaltene, Keramikgefäße geborgen werden. Dabei ging die Palette von feinster dünnwandiger Tonware mit aufwendigen Verzierungen bis zu grober Alltagsware der Altsachsen einher. Auch Gefäße der langobardischen Periode wurden dabei sichergestellt. Neben den typischen Gefäßen des Alltages wurden auch Teile von Mahlsteinen gefunden, die zur damaligen Herstellung von Getreidemehl verwendet wurden.
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Hälfte einer Handmühle aus Rullstorf Noch in situ ist die typische Form zu erkennen (Foto: Bernd Günther)
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Während Heide Burmester und Edula Seichter damit beschäftigt sind ein altsächsisches Grubenhaus freizulegen und zur besseren Darstellung einige Schnitte anlegen, muß sich Oliver Haitzer nur knapp 150 m weiter in härtestem Schwerlehmboden Zentimeter für Zentimeter einer Grubensohle aus der langobardischen Zeit nähern. Dabei verlangt der fast schon an Beton erinnernde Boden Ausgräbern und Werkzeugen das Äußerste ab. Unter dem harten Boden brechen sogar stabile Holzschäfte und Eisenhacken. Jedoch ist die relativ schmale aber über 1 m tiefe Grube eine Herausforderung, zumal in der Tiefe noch eine Holzkohleschicht plötzlich auftaucht und Dr. Wilhelm Gebers diesen Fund noch nicht deuten kann. Was hat die damaligen Bewohner dazu bewogen, in so schwerem Boden unbedingt ein so tiefes Loch zu graben? Innerhalb dieser Grube befindet sich auch ein langobardisches Gefäß auf einer flachen Schale.
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Gefäße aus der langobardischen Zeit (Foto: Bernd Günther)
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Zurück zum Hauptgrabungsfeld freuen sich dagegen die Grabungstechnikerin Franziska Gebauer und der Praktikant Eik Abentheren über den fast schon als optimal zu bezeichnenden Boden. Mit Leichtigkeit läßt sich hier die Kelle durch das Planum ziehen und ohne große Nacharbeiten sind die Profile wie "geschnitten" scharf. Auch hier oben befindet sich ein noch nicht geöffnetes Grubenhaus aus der altsächsischen Periode und verbirgt noch seine Funde. Bevor vielleicht wieder der Regen dem Grabungsteam einen Strich durch die Rechnung macht, soll auch dieses Grubenhaus genauer untersucht werden. Auch Erich Czymai genießt den leicht zu bearbeitenden Boden und zieht mit Schaufel und Kelle eine zuvor von Dr. Gebers markierte interessante Stelle ab.
Erst im August dieses Jahres waren große Teile des Grabungsgeländes durch starke Regenfälle unter Wasser gesetzt worden. Durch den lehmhaltigen Boden konnte das Wasser nur verdunsten oder langsam versickern. Zuvor gemachte Schnitte im Gelände brachen ein und Profile mußten erneut nach Ablaufen des Wassers rekonstruiert werde, wenn dieses überhaupt möglich war. Doch an einem so sonnigen und warmen Tag wie heute dachte keiner mehr an die widrigen Umstände vor zwei Monaten. Während einige Mitarbeiter im Grabungsdepot in Neuhaus schon die Funde reinigen und inventarisieren geht die Arbeit auf dem Kronsberg unermütlich weiter.
Bei einer gemütlichen Tasse selbstgekochtem Kaffee, die der Grabungsleiter Dr. Gebers in der Unterkunft von Neetze bereit hielt, konnte ich noch einige Stunden nach Feierabend mit ihm über die Befunde des Jahres 2006 und seine Interpretationen an diesem warmen Herbstabend diskutieren. Sicherlich ist auch in Zukunft die Ausgrabungstätte auf dem Kronsberg noch für einige Überraschungen gut, wenn man dann weiß, wie es im nächsten Jahr weitergehen wird. Zur Zeit ist vor allem der Mangel an Fachkräften, aber auch Grabungshelfern, bei dieser Ausgrabung ein Thema, denn der Boden unter dem Kronsberg hat sicherlich noch einiges aus archäologischer Sicht zu bieten und es liegt noch einige Arbeit vor dem Grabungsteam.
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Ungünstige Bedingungen Bei solchen Bedingungen, wie hier im August 2006, ist ein gezieltes Abarbeiten der Befunde fast nicht mehr möglich (Foto: Bernd Günther)
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Einige Herbstimpressionen |
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Alle Aufnahmen Bernd Günther 2006
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