Ein kleine Einführung

Mit der AG Sachsenforschung hat sich die jüngste Arbeitsgruppe im FAN gebildet. Neben der Sachsengeschichte und dessen archäologische Fundzusammenhängen in Niedersachsen wird sich diese Arbeitsgruppe vor allem mit der bedeutenden Ausgrabung in Rullstorf und dessen Ergebnissen beschäftigen.

Da Niedersachsen als das "Kernland" der Sachsen gesehen wird, ist es nur natürlich, dass die Niedersachsen sich auch mit ihrer vergangenen und bedeutsamen Geschichtsepoche auseinandersetzen. Trotz der Sachsenforschung in Niedersachsen ist bis heute noch vieles im Dunkeln der Geschichte geblieben.

Diese Arbeitsgruppe ist für alle interessierten Bürger, Hobbyarchäologen und Personen, die sich zum Beispiel mit der lebendigen Archäologie beschäftigen, ein willkommener Anlaß, in die Tiefen unserer "eigenen niedersächsischen" Geschichte einzutauchen.



Bronzefibel Gleicharmige Fibel aus Bronze, (5. Jh. n. Chr.), Fundort: Landkreis Rotenburg/Wümme




Ziele der AG Sachsenforschung

Bekanntheitsgrad der Sachsenforschung steigern

Zusammenarbeit mit Museen und Institutionen, die sich mit der Sachsenforschung auseinandersetzen

Teilnahme und Mithilfe bei Ausgrabungen

Unterstützung bei Prospektionen

Mithilfe bei der Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Sachsenforschung. (Als Beispiel: lebendige Darstellung bei Museumsveranstaltungen zur Sachsengeschichte, Unterstützung beim Aufbau von Ausstellungen, Geschichte zum Anfassen)

Unterstützung bei Fremdpublikationen / Eigenpublikationen zu dem Thema

Mithilfe bei der Gestaltung von Vorträgen und Beiträgen zur Sachsenforschung

Rekonstruktionen zum Themenbereich Sachsen / Altsachsen

Zusammenführung von Einzelinformationen

Zusammenarbeit mit anderen Arbeitsgruppen (z.B. AG Römer in Niedersachsen / AG Luftbildarchäologie)

Förderung des Austausches unter den Mitgliedern über neue Erkenntnisse, Grabungen oder Forschungsberichte

Exkursionen zu bekannten und weniger bekannten Fundplätzen und Ausgrabungen






Die Altsachsen

Die erste Nennung der Sachsen erfolgte durch Ptolemäus von Alexandria in der Zeit um 150 n.Chr. Er nutzte vermutlich Nachrichten, die während römischer Flottenfahrten im Jahr 5 n.Chr. gesammelt worden sind (Capelle, 1999). Nach Ptolemäus sind die "Saxones" als Stammesverband nördlich der Elbe und südlich der kimbrischen Landenge, also im heutigen Holstein, zu finden (Rech, 2000). Im Norden des heutigen Landes Niedersachsen lokalisierte Ptolemäus die Chauken. Es ist jedoch höchstwahrscheinlich, daß die Trennung in Sachsen und Chauken nicht den tatsächlichen Verhältnissen entsprach und es sich bei diesen um ein und diesselbe Volksgruppe handelte, was durch archäologische Befunde bestätigt wird (Rech, 2000; Capelle, 1998). Mit "Sachsen" oder "Schwertgenossen Sahsnôtas" wurde möglicherweise ursprünglich nur ein kultischer Kriegerverband bezeichnet (Genrich, 1991; Rech, 2000), dessen Name auf den "Sax" zurückgeht, einem einschneidigen Schwert, das bei den Sachsen weit verbreitet war. "Der prestigeträchtige, klangvolle Name der Sachsen" (Böhme, 1999a) ging auf das gesamte Volk über, so daß der Name der Chauken im 3. Jahrhundert n.Chr. verschwand (Capelle, 1998), seit dieser Zeit ist das Gebiet zwischen Niederelbe und Weser zweifellos sächsisch. Erfolgreich waren die Sachsen als Seeräuber an den Küsten Galliens und Britanniens. Infolge des häufigen Auftauchens der Sachsen, die als Vorläufer der Wikinger gelten können, wurde die Küste des englischen Kanals von den Römern sogar als "Litus Saxonicum", also als "sächsische Küste", bezeichnet (Johnson, 1978). Zum Schutz vor sächsischen Angriffen errichtete das Römische Reich an der Kanalküste Befestigungsanlagen. Kurioserweise wurden zum Schutz dieser Küsten von den Römern auch Sachsen als Söldner angeworben (Genrich, 1991; Böhme, 1999a).
Kennzeichnend für die Geschichte der Sachsen ist die ständige Ausdehnung des Stammesverbandes durch die Assimilierung benachbarter Stämme. "Die zahlreichen über See erfolgten Fahrten, die häufig genug von Erfolg gekrönt waren und schließlich zur Indienstnahme sächsischer Söldner in die römische Armee führten, machten den Namen der Sachsen als kühne, gefolgschaftlich organisierte Seefahrer auch bei ursprünglich nicht zugehörigen Bevölkerungsgruppen im Hinterland derartig attraktiv, daß sie offenbar laufend Zuzug erhielten" (Böhme, 1999a). Im modernen Sprachgebrauch würden sie als Trendsetter ihrer Zeit und ihrer Region bezeichnet werden (Capelle, 1999). Im 4. Jahrhundert n.Chr. reichte der sächsische Siedlungsraum schon etwa bis zum Wiehengebirge (Häßler, 1999). Das Zentrum der "innovativen Kräfte", die sich auch auf die Ausgestaltung von Gebrauchsgegenständen wie Urnen, Fibeln und Kleidung auswirkten, lag dabei im Elbe-Weser-Dreieck (Böhme, 1999a), welches das Kernland des sächsischen Siedlungsraumes darstellte (Capelle, 1998).

Zwischen 400 und 450 n.Chr. wanderte ein Teil der küstennahen Sachsen zusammen mit Angeln und Jüten in das von den Römern verlassene Britannien aus und sie gründen dort - als "Angelsachsen" - Köngreiche, z.B. Wessex, Sussex und Essex (Westsachsen, Südsachsen und Ostsachsen). Zwar haben die Auswanderungen zu einer erheblichen Schwächung der Besiedlung des kontinentalen Sachsen geführt, doch kam es keineswegs zu einer völligen Entvölkerung (Capelle, 1999). Von den Angelsachsen wurden die kontinentalen Sachsen - zu denen weiterhin Kontakte bestanden - fortan "Altsachsen" genannt. Noch bis in das 11. Jahrhundert bestand eine Sprachgemeinschaft zwischen kontinentalen Sachsen und Angelsachsen, während sich Sachsen und Süddeutsche nur schwer verständigen konnten. "Unter dem ehrwürdigen, an der Region verhafteten Namen der Sachsen" (Capelle, 1999) kommt es nach einer Phase des Verharrens im "alten" Sachsen zu einem erneuten Aufschwung, der in den Gräbern des 5./6. Jahrhunderts widergespiegelt wird (Fernverbindungen unter anderem nach Skandinavien).
Bis zum frühen 8. Jahrhundert konnte sich der sächsische Stammesverband weiter nach Südwesten ausdehnen und erreichte durch die Aufnahme der Cherusker, Angrivarier, Amsivarier und schließlich der Brukterer seine größte Ausdehnung. Diese Expansion geschah nach der jüngeren Forschung ("Bündnistheorie") wahrscheinlich auf eher friedlichem Wege (Häßler, 1999). Der Großteil des sächsischen Gebietes im 8. Jahrhundert wird vom heutigen Bundesland Niedersachsen (mit dem Land Bremen) und Westfalen eingenommen. Niedersachsen beinhaltet dabei das ältere Kerngebiet der Sachsen; das niedersächsische Gebiet wird bis zur Gegenwart kontinuierlich von Sachsen und ihren Nachfahren bewohnt (Capelle, 1998). Das Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt gehörte bis in das 6. Jahrhundert zum Reich der Thüringer; 531 wurde der Teil westlich von Elbe, Saale und Unstrut von den Sachsen erobert. Die Gegend des heutigen Bundeslandes "Sachsen" war von slawischen Stämmen besiedelt.

Wichtigstes Merkmal der sächsischen Verfassung im 8. Jahrhundert war eine zentralen Thingversammlung in "Marklô" an der Mittelweser. Dort wurden Vertreter aller (!) Stände an Entscheidungen beteiligt (Becher, 1999), dieser Thing besaß demnach "Merkmale einer urdemokratischen Prägung" (Diwald, 1987). Es gab keinen König oder eine ähnliches System der Alleinherschaft, was die christlichen Autoren des frühen Mittelalters mit Erstaunen herausstellten. Sachsen war untergliedert in die "Herrschaften" der Westfalen (westlicher Teil des heutigen Westfalen und westliches Niedersachsen), der Engern (entlang der Weser), der Ostfalen (östliches Niedersachsen und westliches Sachsen-Anhalt) und der Nordliudi (Elbe-Weser-Dreieck und Nordelbien) (Wulf, 1991). Möglicherweise entstand diese Untergliederung in Großgruppen erst im Zuge der Sachsenkriege (Becher, 1999), andererseits könnten sich in ihnen auch ehemalige Stammesteile widerspiegeln. Das in der frühen Geschichte Sachsens bedeutende Elbe-Weser-Dreieck trug auch den Namen "Wigmodien".

Quelle und Copyright dieses Beitrages: www.sachsengeschichte.de



Silberfibel vergoldete Fünfknopffibel aus Silber (um 500 n. Chr.) Fundort: Liebenau (Landkreis Nienburg) .




Sachsenkriege und Sachsenkaiser

Ab dem frühen 8. Jahrhundert wurden die Sachsen immer häufiger von den Franken bedrängt, die seit 718 zahlreiche Heerzüge gegen das sächsische Gebiet führten (Wulf, 1991; Becher, 1999). Christliche Missionierungsversuche bei den Sachsen blieben in dieser Zeit erfolglos. In den Sachsenkriegen Karls des Großen (772 - 804) wurde Sachsen schließlich gewaltsam erobert, christianisiert und in das Frankenreich eingegliedert. Eingeleitet wurden die Sachsenkriege durch die Eroberung der Eresburg im Süden Engerns und die Zerstörung des Hauptheiligtums der Sachsen, der heidnische Weltsäule "Irminsul" im Jahre 772. Auf dem fränkischen Reichstag im Jahre 775 wurde als Ziel des Krieges die allgemeine Missionierung oder - bei Nichterfolg - die Ausrottung der Sachsen beschlossen (Diwald, 1987; Lampen, 1999). Vor allem der sächsische Widerstand unter Widukind ist in die Geschichte eingegangen. Auch in zeitgenössischen Quellen wurden die Sachsenkriege als besonders langwierig, grausam und für die Franken anstrengend dargestellt (Lampen, 1999). Symbol für die Grausamkeit des über 33jährigen Krieges ist das "Blutbad von Verden an der Aller" im Jahre 782, wo Karl der Große 4500 aufständische Sachsen, die sich der Taufe verweigerten, hinrichten ließ. Die genaue Zahl ist allerdings umstritten, die Existenz dieses sogenannten "Blutgerichtes" gilt aber als sicher (Seltmann, 1999). In dem von Karl dem Großen erlassenen Kriegsrecht der "Capitulatio de partibus Saxoniae" aus dem gleichen Jahr wurde die fränkische Herrschaft festgeschrieben und die Ausübung heidnischer Bräuche bei Todesstrafe verboten (Wulf, 1991). Auch die sächsischen Thingversammlungen wurden verboten, die Teilhabe der unteren Stände am politischen Leben damit beendet (Last, 1978). Die Sachsenkriege endeten mit der Eroberung Wigmodiens und Nordalbingiens (= Nordelbien) im Jahre 804. Unter sächsischer Beteiligung wurde nun das neue sächsische Stammesrecht "Lex Saxonum" aufgezeichnet. Dieses schrieb eine führende Stellung des zum Teil auf fränkischer Seite stehenden sächsischen Adels, der in das neu eingeführte Grafschaftssystem eingebunden wurde, fest (Lampen, 1999). Zwischen 841 und 843 erhoben sich die unteren Stände im sogenannten Stellinga-Aufstand gegen den Adel um die vorfränkischen Verhältnisse wiederherzustellen. Der Aufstand wurde jedoch blutig niedergeschlagen (Wulf, 1991).Die sächsische Tradition fand durch die gewaltsame Eingliederung in das Frankenreich keineswegs ein abruptes Ende (Capelle, 1999). Der gesamte sächsische Raum blieb auch nach dem Verlust der politischen Selbständigkeit "sächsischer Kulturraum" (Capelle, 1998). Noch im 12. Jahrhundert waren mancherorts heidnische Bräuche verbreitet (v. Padberg, 2000). Nach dem Zerfall des Frankenreiches unter den Erben Karls des Großen bildete sich im 9. Jahrhundert das Stammesherzogtum Sachsen heraus. Dieses besaß ein "geschichtliches Schwergewicht" (Diwald, 1987) und konnte im neu entstehenden Deutschen Reich eine führende Position einnehmen: Das sächsische Adelsgeschlecht der Liudolfinger stellte mit Heinrich dem Ersten und den Ottonen ab 919 für über 100 Jahre die ersten deutschen Könige und Kaiser ("Sachsenkönige" und "Sachsenkaiser"). Der Aufstieg und Erfolg der Sachsen von einem unterworfenen und zwangsmissionierten Volk hin zum führenden Reichsvolk innerhalb eines Jahrhunderts nach der Unterwerfung gehört zu den bemerkenswertesten historischen Entwicklungen des Mittelalters (Lampen, 1999). Unter den Ottonen wanderte der politische Schwerpunkt Sachsens in das nördliche Harzvorland. Otto der Große machte sich unter anderem durch seinen Sieg über die Ungarn in der Schlacht auf dem Lechfeld im Jahre 955 einen Namen. Als seinen Vertreter in Sachsen setzte er 966 den Markgrafen Hermann Billung ein, dieser war nun "Herzog in Sachsen". Fortan wurde die sächsische Herzogswürde vom König bzw. Kaiser verliehen, für die nächsten 140 Jahre an die Billunger.Auf die sächsischen Liudolfinger folgten 1024 die fränkischen Salier auf dem deutschen Königsthron. Diese mußten jedoch mit einer permanenten Opposition sowohl durch den sächsischen Adel (vor allem der mächtigen Billunger und Northeimer) als auch durch das sächsische Volk rechnen (Scheuch, 1997; Kurowski, 1996). Die folgenden militärisch ausgetragenen Konflikte zwischen Sachsen und der königlich-salischen Zentralmacht werden in der Literatur zuweilen auch als "Sachsenkriege" bezeichnet, die nicht mit den "ersten" Sachsenkriegen Karls des Großen rund 250 Jahre zuvor zu verwechseln sind. Als Gegner der Sachsen ist vor allem König Heinrich IV. zu nennen, der (in anderem Zusammenhang) durch den legendären "Gang nach Canossa" berühmt wurde. Nach dem Aussterben der Billunger in männlicher Linie im Jahr 1106 erhält der bislang unbedeutende Lothar von Süpplingenburg die sächsische Herzogswürde. Dieser konnte seine Macht jedoch soweit ausbauen, daß er zum Sieger in den Auseinandersetzungen zwischen Sachsen und fränkischen Saliern wurde. "Die königliche Gewalt der Salier war in Sachsen fortan ausgeschaltet" (Jordan, 1979). 1125 wurde Lothar von Süpplingenburg selbst zum deutschen König erhoben, 1133 auch zum Kaiser. Noch einmal, wie zur Zeit der liudolfingischen Ottonen, wurde Sachsen die wichtigste Kernlandschaft im Deutschen Reich (Jordan, 1979). Kurz vor seinem Tod belehnte Lothar seinen Schwiegersohn, den Welfen Heinrich den Stolzen, mit dem gesamten Herzogtum Sachsen, nachdem dieser von seiner billungischen Mutter umfangreiche Hausgüter in Sachsen geerbt hatte. Der nachfolgende König Konrad III. aus dem Geschlecht der schwäbischen Staufer wollte den Machtzuwachs des Welfen jedoch nicht dulden: Heinrich der Stolze wurde 1138 geächtet und verlor Sachsen. Dieses wurde dem brandenburgischen Markrafen Albrecht dem Bären aus dem Hause der Askanier übertragen. Die Sachsen verwehrten dem Askanier jedoch den Zugang zu ihrem Land, und Albrecht gab es 1142 an den Sohn Heinrich des Stolzen, Heinrich dem Löwen, heraus.

Quelle und Copyright dieses Beitrages bei: www.sachsengeschichte.de



Karl der Grosse 747 - 28.Januar 814 n.Chr.