Eine außergewöhnliche Pferdebestattung

Während der im letzten Jahr durchgeführten Untersuchung des spätsächsischen Gräberfeldes in Rullstorf, Kreis Lüneburg, wurde eine bisher einzigartig reich ausgestattete Pferdebestattung entdeckt. Das Pferd diente als Beigabe zu einem Scheiterhaufen, der, ebenfalls in Rullstorf einmalig, als 24- pföstiger Doppelkreis konstruiert wurde.



Abbildung 1: Blick nach Westen über die Pferdebestattung (Vordergrund). Die angeschnittenen Pfostenverfärbungen des Scheiterhaufengrabes im Bildhintergrund.
Während der Untersuchung des Pferdegrabes traten, neben dem Skelett des Tieres, außergewöhnlich reichhaltige Metallfunde zu Tage. Bei fortschreitender Freilegung wurde schnell deutlich, dass es sich hierbei um das vollständige Geschirr des Pferdes, d.h. Sattel, Steigbügel, Zaumzeug und Trense handelte. Neben den Pferdeknochen wurden lehmartige, streifenförmige dunkelbraune Verfärbungen vorgefunden, die auf zum Geschirr gehörende Lederriemen hinwiesen. Auch die Grablegung des Pferdes selbst ist außergewöhnlich.
Das Tier wurde ohne Kopf bestattet, die Hinterläufe waren nach Süden ausgerichtet. Die Trense lag an der Stelle, an welcher sich der Schädel hätte befinden müssen. Die 33 weiteren Rullstorfer Pferdebestattungen wiesen mit dem Kopf nach Süden. Der Verbleib des Schädels blieb bisher ungeklärt - nichts wies bisher auf einen einzeln bestatteten Pferdekopf hin.




Abb. 1: Pferdebestattung (Grabung und Foto: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Gebers / Lauxtermann)

Abbildung 2: Das Pferdegrab. Die Trense, rechts im Bild, und der Sattel, Bildmitte, wurden vor Ort nicht im Detail freigelegt, sondern im Block geborgen. In der linken unteren Bildecke ist eine Pfostenverfärbung zu erkennen, die sich grau von der bräunlichen Grabverfüllung abhebt.
Die Grabanlage ist in dieser Form einzigartig auf dem sächsischen Friedhof in Rullstorf. Keine der anderen Pferdebestattungen war mit einem Sattel oder Geschirrteilen bestückt. Der Sattel und die Trense wurden im Block geborgen.




Abb. 2: Das Pferdegrab (Foto: Niedersächsisches Landesamt Für Denkmalpflege, Gebers / Lauxtermann).

Abbildung 3: Ansicht der Blockkonstruktionen des Sattels und der Trense. Die Eisenkiste ist bereits teilweise mit PU-Schaum ausgefüllt, an einigen Stellen ist noch die Zellstoffschicht (grau) zu erkennen. Rechts im Bild: der über die Trense gestülpte und fertig präparierte Karton.
Nach der bisher noch nicht abgeschlossenen Restaurierung der Metallfunde in der Restaurierungswerkstatt des NLD und der genaueren naturwissenschaftlichen Untersuchung des organischen Materials werden detailliertere Aussagen zur Form und Datierung des Geschirrs und des Sattels möglich sein.

Wir werden über den Fortgang der Untersuchungen berichten!

Britta Lauxtermann




Abb. 3: Sattel und Trense (Foto: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Lauxtermann)